Augsburger GenerativBibel Neues Testament · Urtextnah · mittel · Lesefluss

1 · Urtextnah 2 · mittel 3 · Lesefluss
Kapitel 1 / 16

Lukas 12

Augsburger GenerativBibel mittel

1Inzwischen hatten sich die Menschen zu Tausenden versammelt, sodass sie einander niedertraten. Da begann er, zunächst zu seinen Jüngern zu sprechen: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor ihrer Heuchelei.

2Nichts aber ist verhüllt, das nicht aufgedeckt werden wird, und nichts verborgen, das nicht bekannt werden wird.

3Deshalb wird alles, was ihr im Dunkeln gesagt habt, im Licht gehört werden, und was ihr hinter verschlossenen Türen ins Ohr geflüstert habt, wird von den Dächern verkündet werden.

4Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts weiter tun können.

5Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der die Macht hat, nach dem Töten in die Hölle zu werfen. Ja, ich sage euch, den sollt ihr fürchten.

6Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Assarion? Und doch ist nicht einer von ihnen bei Gott vergessen.

7Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht; ihr seid mehr wert als viele Sperlinge.

8Ich sage euch aber: Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen.

9Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden.

10Und jedem, der ein Wort gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden.

11Wenn man euch aber vor die Synagogen, die Behörden und die Machthaber bringt, dann macht euch keine Sorgen, wie oder womit ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt;

12Denn der Heilige Geist wird euch in jener Stunde lehren, was ihr sagen müsst.

13Da sagte einer aus der Menge zu ihm: Lehrer, sag meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teilen soll.

14Er aber antwortete ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbverteiler über euch eingesetzt?

15Dann sagte er zu ihnen: Seht euch vor und hütet euch vor jeder Art von Habgier; denn das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem Überfluss ab, von dem, was er besitzt.

16Und er erzählte ihnen ein Gleichnis: Das Land eines reichen Mannes hatte gut getragen.

17Und er überlegte bei sich: Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen kann.

18Und er sagte: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen und dort mein ganzes Getreide und meine Vorräte einlagern.

19Und dann werde ich zu mir selbst sagen: Du hast einen großen Vorrat für viele Jahre liegen. Ruh dich aus, iss, trink und genieße das Leben.

20Gott aber sagte zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?

21So geht es dem, der für sich selbst Schätze sammelt und nicht reich ist bei Gott.

22Dann sagte er zu seinen Jüngern: Deshalb sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben, was ihr essen sollt, und auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen sollt.

23Das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung.

24Seht euch die Raben an: Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben weder Vorratskammer noch Scheune, und doch ernährt Gott sie. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel!

25Wer von euch kann mit all seinen Sorgen sein Leben auch nur um eine Stunde verlängern?

26Wenn ihr nun nicht einmal das Geringste vermögt, warum macht ihr euch dann Sorgen um das Übrige?

27Seht euch die Lilien an: Sie spinnen nicht und weben nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht so gekleidet wie eine von ihnen.

28Wenn Gott aber das Gras auf dem Feld, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!

29Auch ihr sollt nicht ständig danach fragen, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und macht euch keine Sorgen darum;

30denn nach all dem trachten die Völker der Welt. Euer Vater aber weiß, dass ihr das braucht.

31Sucht vielmehr sein Reich, und das alles wird euch dazugegeben werden.

32Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.

33Verkauft euren Besitz und gebt den Erlös den Armen. Macht euch Geldbeutel, die nicht zerschleißen, einen unvergänglichen Schatz im Himmel, wo kein Dieb herankommt und keine Motte ihn zerfrisst.

34Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

35Haltet euch bereit, mit gegürteten Hüften und brennenden Lampen,

36Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sofort öffnen, wenn er kommt und anklopft.

37Glücklich die Knechte, die der Herr bei seiner Ankunft wachend findet! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie zu Tisch bitten und an sie herantreten, um sie zu bedienen.

38Und wenn er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache kommt und sie so bereit findet, glücklich sind sie!

39Das aber sollt ihr bedenken: Wenn der Hausherr gewusst hätte, zu welcher Stunde der Dieb kommt, hätte er nicht zugelassen, dass in sein Haus eingebrochen wird.

40So haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

41Da fragte Petrus: Herr, gilt dieses Gleichnis nur uns oder allen?

42Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Dienerschaft setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit ihren Anteil an Essen zuteilt?

43Glücklich der Knecht, den sein Herr bei seiner Ankunft so tätig findet!

44Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen.

45Wenn aber jener Knecht sich denkt: Mein Herr lässt auf sich warten, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen, zu trinken und sich zu betrinken,

46dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; er wird ihn in Stücke hauen und ihm sein Los bei den Ungläubigen zuweisen.

47Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn kannte und sich dennoch nicht bereithielt noch nach seinem Willen handelte, wird viele Schläge bekommen.

48Wer ihn aber nicht kannte und doch tat, was Strafe verdient, wird wenige Schläge bekommen. Von jedem, dem viel gegeben wurde, wird viel gefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

49Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen, und wie sehr wünschte ich, es brennte schon!

50Ich muss aber noch mit einer Taufe getauft werden, und wie bedrückt bin ich, bis sie vollbracht ist!

51Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Entzweiung.

52Denn von jetzt an werden fünf Menschen in einem Haus entzweit sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei.

53Sie werden sich entzweien: der Vater mit dem Sohn und der Sohn mit dem Vater, die Mutter mit der Tochter und die Tochter mit der Mutter, die Schwiegermutter mit ihrer Schwiegertochter und die Schwiegertochter mit der Schwiegermutter.

54Dann sagte er auch zu den Leuten: Wenn ihr im Westen eine Wolke aufsteigen seht, sagt ihr sofort: Es gibt Regen, und so kommt es auch.

55Und wenn der Südwind weht, sagt ihr: Es wird heiß, und so trifft es ein.

56Ihr Heuchler! Das Aussehen von Erde und Himmel versteht ihr zu deuten. Warum aber versteht ihr nicht, diese Zeit zu deuten?

57Warum entscheidet ihr nicht von euch aus, was richtig ist?

58Wenn du mit deinem Gegner vor den Richter gehst, dann gib dir noch unterwegs Mühe, dich mit ihm zu einigen, damit er dich nicht vor den Richter schleppt und der Richter dich dem Vollzugsbeamten übergibt und der dich ins Gefängnis wirft.

59Ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen, bis du auch die letzte kleine Münze bezahlt hast.