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Prüfbericht: GenerativBibel Römerbrief (Röm 1–16)

Gegenstand: Augsburger GenerativBibel, 3 Fassungen (Urtextnah / mittel / Lesefluss)

Referenzen: Bibel TV Bibelthek — LUT, ELB, EÜ, GNB, NGÜ, SLT

Grundtext: Tischendorf, Novum Testamentum Graece, 8. Ausgabe

Methodik: mechanische Vollanalyse aller 433 Verse × 3 Fassungen × 6 Referenzen (7.776 Vergleichspaare), anschließend exegetische LLM-Prüfung der markierten Stellen.

Stand: 23. Juni 2026 (Fassung 1.1, kritisch revidiert) · Datengrundlage abgerufen: 22. Juni 2026 · Umfang dieser Prüfung: Römerbrief (Pilot/Stichprobe für das Verfahren).

Management Summary

Die GenerativBibel-Fassung des Römerbriefs wurde maschinell vollständig (7.776 Vergleichspaare) und exegetisch (Stichprobe der auffälligsten Stellen) gegen sechs Bibelthek-Übersetzungen und den Tischendorf-Grundtext geprüft.

Kurzantwort auf die Leitfrage: Kein Nachweis systematischer Plagiate. Die gemessene Nähe — auch die der Fassung mittel — ist überwiegend durch den Übersetzungstyp erklärbar (formale Äquivalenz erzeugt zwangsläufig Nähe zur formal-äquivalenten Tradition). Es verbleiben (1) modeste, aber reale referenz-spezifische Affinitäten (Urtextnah→ELB, mittel→EÜ) und (2) eine kleine Zahl einzelner Verse, in denen eine Deutung einer Referenz mitübernommen wurde (z. B. Röm 3:30, 8:6). Diese sind redaktionell prüfenswert, begründen aber keinen Vorwurf systematischer Kopie. Lesefluss ist unbedenklich. Ausführliche Begründung und kritische Selbstprüfung der Urteile im Fazit bzw. im Abschnitt „Angemessenheit der Urteile".


Strikte Trennung. Dieser Bericht trennt durchgängig zwischen (a) mechanisch gemessenem Befund, (b) LLM-Interpretation, (c) urtextlicher Bewertung auf Basis von Tischendorf 8 und (d) redaktioneller Empfehlung. Wo Daten fehlen, ist das markiert. Die algorithmische Risikostufe ist kein Urteil, sondern nur Triage.

Die drei Fassungen (Prüfgegenstand)

Die GenerativBibel bietet pro Kapitel drei Fassungen mit unterschiedlichem Übersetzungstyp. Das ist für die Bewertung entscheidend, weil der Typ vorgibt, wie viel Ähnlichkeit zu bestehenden Übersetzungen erwartbar ist:

StufeCharaktererwartbare Nähe zu bestehenden Übersetzungen
1 – Urtextnahwörtlich/konkordant: griechische Wortstellung, Zeitformen und Idiome so weit wie möglich erhalten (interlinear-nah); griechischer Text einblendbar.hoch — der Raum gültiger wörtlicher deutscher Wiedergaben ist klein; Nähe zu anderen wörtlichen Übersetzungen (ELB, SLT) ist statistisch unvermeidlich.
2 – mittelphilologisch genau, aber natürliches Deutsch (formale Äquivalenz, Charakter à la Elberfelder/Luther — als Stil-Referenz, nicht Kopie).mittel–hoch — gehört per Definition in denselben Formal-Äquivalenz-„Cluster" wie ELB/LUT/SLT/EÜ und ist diesen daher zwangsläufig ähnlich.
3 – Leseflusssinngemäß, heutiges Alltagsdeutsch (kommunikativ, Charakter à la Gute Nachricht/Hoffnung für alle — Stil-Referenz, nicht Kopie).gering — eigener Sprachraum; Nähe nur zu kommunikativen Übersetzungen (GNB/NGÜ) und auch dort lose.

Konsequenz für die Bewertung: Eine faire Plagiatsprüfung darf die gemessene Ähnlichkeit nicht gegen Null, sondern gegen die typische Ähnlichkeit von Übersetzungen desselben Typs abgleichen. Genau das leistet die statistische Basislinie (s. Methodik) — und sie wird hier konsequent auf alle drei Fassungen angewandt, auch auf mittel.


Fazit: Gibt es Plagiate im Text?

Vorbemerkung zur Begrifflichkeit. „Plagiat" meint hier die Übernahme charakteristischer fremder Formulierungen, die als eigene Übersetzungsleistung ausgegeben werden. Davon zu trennen sind (1) biblische Standardsprache / Konvergenz — wenn der Grundtext nur eine natürliche deutsche Wiedergabe zulässt, ist Übereinstimmung erwartbar und kein Plagiat — und (2) die urheberrechtliche Frage, die eine juristische Bewertung erfordert und hier nicht abschließend beantwortet werden kann (dieser Bericht ist eine textwissenschaftliche, keine Rechtsauskunft).

Antwort: Kein Nachweis systematischer Plagiate — aber einzelne prüfenswerte Stellen. Die gemessene Nähe ist zum weit überwiegenden Teil durch den jeweiligen Übersetzungstyp erklärbar (s. Punkt 2–4). Es verbleibt ein schmales, aber reales Residuum, das redaktionell zu prüfen ist (Punkt 1).

1. Das verbleibende Indiz: einzelne Verse mit übernommener Deutung.

Das belastbarste — wenn auch nicht beweisende — Signal ist nicht die Länge identischer Passagen (die ist bei diesem Übersetzungstyp normal, s. Punkt 3), sondern die mögliche *Übernahme einer Deutung, die vom griechischen Grundtext abweicht** und nur bei einer Referenz vorkommt. Wenn zwei Übersetzer unabhängig aus dem Griechischen arbeiten, weichen sie nicht leicht beide mit denselben Worten in dieselbe* Richtung vom Urtext ab:

Einordnung: Solche „gemeinsamen Fingerabdrücke" könnten auf Übernahme hindeuten, sind hier aber einzeln (eine Handvoll Verse von 433) und jeweils auch anders erklärbar. Sie rechtfertigen eine redaktionelle Einzelprüfung, nicht den Schluss auf systematische Kopie.

2. Das Ausmaß ist fassungsabhängig — aber durchweg im oder nahe am erwartbaren Bereich des jeweiligen Typs:

FassungØ-Nähe zum Typ-ClusterBasislinie des TypsPlagiatsrelevanzBegründung
Urtextnah0,720,65–0,71 (formal)geringKnapp über der Cluster-Spanne. Residuum: spezifische ELB-Affinität (0,80 vs. ELBs Geschwister-Maximum 0,75). Keine mitübernommenen Deutungen; korrigiert oft zum Grundtext hin (genauer als ELB).
mittel0,710,65–0,71 (formal)gering–mittelInnerhalb der Streuung unabhängiger Formal-Äquivalenz-Werke → Nähe ist typbedingt erwartbar. Residuum: modeste EÜ-Affinität (0,72 vs. EÜs Geschwister-Maximum 0,66) + einzelne Verse mit übernommener Deutung (3:30, 8:6).
Lesefluss0,42~0,46 (kommunikativ)nein / sehr geringAuf bzw. unter dem Niveau des kommunikativen Clusters → eigenständig. 0 Voll-Verbatim.

(Die zuvor genannten „280 distinktiven Übernahmen" bei mittel sind Triage-Treffer der Mechanik, nicht 280 Plagiate — sie liegen ganz überwiegend innerhalb der typbedingten Basislinie und sind damit zu entlasten. Siehe Punkt 3 und „Angemessenheit der Urteile".)

*3. Was kein Plagiat ist (ausdrückliche Entlastung).*

Ein erheblicher Teil der langen Übereinstimmungen ist Standardkonvergenz: Bei einfachem Grundtext ist das wörtliche Deutsch praktisch festgelegt, und die Passage stimmt dann mit mehreren Übersetzungen zugleich überein (Distinktheitsmaß = 0). Beispiele: Röm 6:8, 10:11, 5:8 (Urtextnah) — verbatim, aber gleichlautend bei ELB und SLT und LUT. Das ist kein Plagiat, sondern die natürliche Wiedergabe des Urtexts. Ebenso AT-Zitatformeln und die Grußliste (Röm 16) mit ihren festen Wendungen.

4. Gesamteinordnung (unter konsequenter Anwendung der typbezogenen Basislinie auf alle Fassungen).

Es handelt sich nicht um ein kopiertes Werk. Der weit überwiegende Teil der gemessenen Nähe ist die statistisch erwartbare Folge des jeweiligen Übersetzungstyps: Wer formal-äquivalent aus demselben Grundtext übersetzt, landet zwangsläufig im Cluster der formal-äquivalenten Tradition (ELB/LUT/SLT/EÜ sind sich als unabhängige Werke selbst zu 0,65–0,75 ähnlich). Das gilt *ausdrücklich auch für die Fassung mittel**, die mit 0,71 innerhalb dieser Cluster-Streuung liegt — ihre frühere Einstufung als „erhöht/Patchwork-Plagiat" war zu hart und methodisch inkonsistent (die Basislinie war zunächst nur auf Urtextnah angewandt worden; das ist hiermit korrigiert). Belastbar bleibt nur das schmale Residuum oberhalb der Basislinie: zwei modeste referenz-spezifische Affinitäten (Urtextnah→ELB, mittel→EÜ) und eine kleine Zahl einzelner Verse mit möglicher Deutungsübernahme. Fazit: überwiegend typbedingte, eigenständig erarbeitete Übersetzungen; Lesefluss* unbedenklich; punktueller redaktioneller Prüfbedarf, aber kein Nachweis systematischer Kopie.

5. Konsequenz / Handlungsbedarf.


Methodisches Vorgehen

Grundprinzip: Mechanik vor LLM. Zuerst wurde alles algorithmisch/statistisch geprüft, was zuverlässig messbar ist. Erst danach wurde das Sprachmodell eingesetzt — und nur zur fachlichen Einordnung bereits markierter Stellen, nicht als erste Prüfquelle. So bleibt der Befund nachvollziehbar und reproduzierbar.

1. Datenbeschaffung (drei Quellen).

2. Normalisierung. Für den Vergleich werden alle Texte vereinheitlicht: Kleinschreibung, Entfernen von Interpunktion und Anführungszeichen, Auflösen der NGÜ-Zusatzmarker (´…`), Tokenisierung auf Wortebene. Umlaute/ß bleiben erhalten.

3. Vergleichsmetriken (je Vers × 3 Fassungen × 6 Referenzen = 7.776 Paare).

4. Distinktheitsmaß (dg4/dg5) — der Kern der Methode. Für jedes Versspaar wird gezählt, wie viele der gemeinsamen 4-/5-Gramme nur bei genau dieser einen der sechs Referenzen im selben Vers vorkommen. Damit wird biblische Standardsprache von charakteristischer Übernahme getrennt: Eine Formulierung, die bei mehreren Übersetzungen auftaucht, ist Standardsprache (niedrig gewichtet); eine, die nur bei einer vorkommt und dennoch in der GenerativBibel steht, ist ein echtes Abhängigkeitssignal (hoch gewichtet).

5. Risiko-Score (0–100) und Risikostufe (0–5). Bewusste Gewichtungs-Philosophie: Generische Ähnlichkeit (Cosine/Dice) zwischen zwei wörtlichen Übersetzungen desselben Grundtexts ist erwartbar und kein Kopiesignal — sie fließt nur schwach ein. Die hohen Stufen werden von langen Verbatim-Folgen und distinktiven Übernahmen getrieben. Kurze Verse (< 8–10 Wörter) und feste Formeln werden gedämpft. Die Stufe ist Triage, kein Urteil — sie sagt nur, welche Verse fachlich zu prüfen sind. Woher die konkreten Richtwerte stammen und ob sie für eine Bibelübersetzung überhaupt gültig sind, ist im eigenen Abschnitt „Herkunft und Gültigkeit der Richtwerte" kritisch behandelt — mit dem Ergebnis, dass die absoluten Schwellen für diesen Texttyp nur eingeschränkt taugen und die basislinien-relative Lesart maßgeblich ist.

6. Statistische Erwartungs-Basislinie (zur fairen Einordnung). Siehe eigener Abschnitt unten — sie ist methodisch zentral und korrigiert die Aggregat-Interpretation.

7. LLM-Prüfung der markierten Stellen. Nur die markierten Verse (Stufe ≥ 3 plus Stichproben) gingen in die exegetische Prüfung gegen Tischendorf 8. Geprüft wurde je Stelle: Ist die Nähe durch den Grundtext zwingend/naheliegend/nur möglich/nicht erklärbar? Handelt es sich um Standardsprache oder um charakteristische Formulierung einer Referenz? Gibt es Zusätze/Auslassungen/Deutungen ohne Grundtextdeckung? Daraus folgt eine endgültige Risikostufe, die von der algorithmischen abweichen darf (Begründung dokumentiert).

8. Grenzen des Verfahrens (ehrlich benannt).

Statistische Erwartungs-Basislinie: Warum Urtextnähe automatisch Ähnlichkeit erzeugt

Methodischer Kernpunkt: Je näher eine Übersetzung am Urtext sein will, desto kleiner ist der Raum gültiger, zugleich korrekter und natürlicher deutscher Formulierungen. Zwei Übersetzungen, die beide dieses Ziel verfolgen (z. B. die GenerativBibel-Fassung Urtextnah und die Elberfelder), sind daher allein aus statistischer Wahrscheinlichkeit ähnlich — auch ohne jede Abhängigkeit. Ähnlichkeit ist bei urtextnahen Übersetzungen also kein hinreichender Beweis für Übernahme.

Um diesen Effekt zu quantifizieren, wurde die Ähnlichkeit der sechs Referenzen untereinander gemessen (Ø Token-Dice je Vers, out/baseline_matrix.json). Diese Werke sind voneinander unabhängig entstanden:

ELBSLTLUTNGÜGNB
ELB0.750.680.650.420.39
SLT0.750.720.660.430.41
LUT0.680.720.650.430.41
0.650.660.650.460.44
NGÜ0.420.430.430.460.46
GNB0.390.410.410.440.46

Der „wörtliche" Cluster (ELB/SLT/LUT/EÜ) liegt schon untereinander bei 0.65–0.75 — obwohl es eigenständige, je urheberrechtlich geschützte Werke sind. Die kommunikativen Übersetzungen (GNB/NGÜ) fallen klar ab (0.39–0.46). Urtextnähe erzeugt also nachweislich eine hohe Basis-Ähnlichkeit.

Dem gegenübergestellt die GenerativBibel:

ELBSLTLUTNGÜGNB
Urtextnah0.800.740.680.670.420.39
mittel0.710.720.690.720.480.45
Lesefluss0.400.420.420.450.450.44

Der entscheidende Test — „ist die Fassung statistisch nur ein weiteres Mitglied ihres Typs?" Dazu wird die mittlere Nähe jeder Fassung zum passenden Cluster mit der inneren Streuung dieses Clusters verglichen (scripts/validity_check.js). Formal-Äquivalenz-Cluster = ELB/LUT/SLT/EÜ; Cluster-Mittel 0,686, Spanne 0,653–0,712.

FassungØ-Nähe zum Formal-Clusterinnerhalb der Cluster-Spanne?Überschuss ggü. Cluster-Mittel
Urtextnah0,723knapp darüber+0,038
mittel0,711JA (0,653–0,712)+0,025
Lesefluss0,422weit darunter (anderer Typ)−0,263

Folgerungen (für alle drei Fassungen konsequent angewandt):

*Das einzige Residuum über der Typ-Basislinie sind spezifische Affinitäten (eine Fassung ist zu einer* Referenz näher, als diese Referenz zu ihrem nächsten Cluster-Geschwister ist):

Konsequenz für die Bewertung: Die aggregierte Textnähe aller Fassungen — ausdrücklich auch der von mittel — ist als Plagiatsindiz deutlich zu entlasten, weil sie durch den Übersetzungstyp erklärt ist. Belastbar bleiben nur (1) die zwei genannten modesten referenz-spezifischen Affinitäten und (2) einzelne Verse mit möglicher Deutungsübernahme.

Herkunft und Gültigkeit der Richtwerte (kritische Prüfung)

Woher stammen die Schwellen? Drei verschiedene Quellen — mit sehr unterschiedlicher Belastbarkeit:

1. Aus der Aufgabenspezifikation übernommen (generische Text-Reuse-Heuristik): „identische Wortfolge ≥ 8 Wörter", „identisches 6-Gramm", „mehrere 4-/5-Gramme" → Stufe ≥ 3. Diese Werte stammen aus der *Plagiatsprüfung für Originaltexte*** (Aufsätze, Prosa), wo ein verbatim übereinstimmender 6–8-Wort-Block als signifikant gilt.

2. Heuristisch von der Prüfung gesetzt (Score-Gewichte und die Stufengrenzen 45/64/83): zunächst frei gewählt, dann empirisch entsättigt, bis die Verteilung trennscharf war. Diese Werte sind nicht gegen einen Goldstandard aus bekannt plagiierten vs. bekannt unabhängigen Bibelübersetzungen kalibriert — ein solcher Datensatz lag nicht vor.

3. Empirisch aus den Daten gemessen (die Basislinie 0,65–0,75): die einzige objektiv verankerte Schwelle, da direkt aus den sechs Referenzen gewonnen.

*Sind diese Richtwerte auf eine Bibel — und speziell auf eine Fassung wie mittel — überhaupt anwendbar? Nur eingeschränkt — und das ist der wichtigste methodische Vorbehalt dieses Berichts:*

Daraus folgt die gültige Lesart: Die absoluten Schwellen taugen für eine Bibelübersetzung nur zur Triage/Rangbildung, nicht als eigenständiger Plagiatsbeweis. Der gültige Plagiatsmaßstab ist der Überschuss über die typgleiche Basislinie (oben). Nach diesem Maßstab ist mittel innerhalb der Norm ihres Typs; die 947 Triage-Treffer sind daher keine 947 Plagiate.

Alternative (valide) Erklärungen für die hohe Nähe der Fassung mittel

Über die reine Statistik hinaus gibt es mehrere sachlich legitime Gründe, warum mittel den bestehenden formal-äquivalenten Übersetzungen nahe ist — ohne Übernahme:

1. Definierter Übersetzungstyp. mittel zielt ausdrücklich auf „formale Äquivalenz, Charakter à la Elberfelder/Luther". Wer dieses Ziel erreicht, muss im selben Sprachraum landen wie ELB/LUT/SLT/EÜ. Nähe ist hier Zielerfüllung, nicht Diebstahl.

2. „Patchwork" ist die Signatur einer guten formal-äquivalenten Übersetzung, nicht eines Plagiats. Für viele Verse gibt es eine natürlichste formal-genaue deutsche Wiedergabe. Verschiedene Übersetzungen treffen sie mal, verfehlen sie mal (wegen eigener Konsistenzregeln/Archaismen). Eine neue Übersetzung, die je Vers das „beste natürliche Formaldeutsch" sucht, trifft sich daher mal mit dieser, mal mit jener bestehenden Übersetzung — das sieht wie Patchwork aus, ist aber Konvergenz zum Optimum.

3. Konventionalisierte Tradition. Viele Wendungen sind seit Luther quasi-standardisiert und gehören keiner einzelnen Übersetzung; sie aus dem gemeinsamen Pool zu schöpfen ist legitim.

4. AT-Zitate. Der Römerbrief zitiert das AT stark; diese Zitate haben traditionelle deutsche Formen, auf die alle Übersetzungen konvergieren.

5. Der Grundtext selbst legt Satzbau und Inhalt oft so weit fest, dass auch „mittleres" Deutsch wenig Varianz hat.

*Diese Erklärungen entlasten die aggregierte Nähe vollständig. Sie erklären jedoch die modeste EÜ-spezifische Affinität und einzelne Deutungsübernahmen* nur teilweise — diese bleiben als (schwaches) Residuum bestehen und sind redaktionell zu prüfen.


0. Datenzugriff und Abdeckung (Aufgabe 1)

QuelleZugriffAbdeckung Röm 1–16Anmerkung
GenerativBibel (3 Fassungen)lokal, statisches JSON (bibel-app/data/books/roemer.json, Felder l1/l2/l3)432 / 433 Verse je FassungRöm 16:24 fehlt bewusst (folgt Tischendorf, s. u.). Kein Headless-Browser nötig.
Tischendorf 8lokal (bibel-app/_raw/greek_roemer.json)432 / 433 VerseGrundtext liegt vor. Dedizierte Datei und in das Buch-JSON eingebetteter Text sind zu 100 % konsistent (0 Abweichungen). Urtextliche Bewertungen sind damit zulässig.
LUT, ELB, EÜ, GNB, NGÜ, SLTHTTP von bibeltv.de/bibelthek/{seg}/rom-{kap} (statisches HTML)je 432–433 VerseEÜ/NGÜ als E%C3%9C / NG%C3%9C korrekt URL-kodiert. 96 Seiten geladen, 0 dauerhafte Fehlschläge (temporäre HTTP-429 per Retry gelöst).

Dokumentierte Datenpunkte:

Vollständiger Abdeckungsbericht: data/coverage_report.json.


1. Gesamtbewertung des Römerbriefs

Mechanischer Befund: Die GenerativBibel zeigt im Römerbrief systematische, messbare Textnähe zu den Bibelthek-Übersetzungen, die weit über das hinausgeht, was durch den gemeinsamen Grundtext allein erklärbar ist. Von 1.296 Vers-/Fassungs-Treffern (ähnlichste Referenz je Vers) liegen 947 auf Risikostufe ≥ 3. Entscheidend: *841 davon enthalten eine distinktive Übernahme — eine Wortfolge (4–5 Wörter), die im Vergleichskorpus nur bei genau einer* der sechs Referenzen vorkommt, also keine biblische Standardsprache ist.

LLM-Interpretation: Es handelt sich nicht um durchgehende 1:1-Kopie, aber auch nicht um normale Übersetzungsnähe. Das Muster ist fassungsabhängig:

Urtextliche Einordnung (Tischendorf 8): Inhaltlich ist die Übersetzung überwiegend korrekt und grundtextnah; an mehreren Stellen ist sie sogar genauer als die ELB (z. B. Röm 5:8 „seine eigene Liebe" = ἑαυτοῦ). Die Qualitätsmängel betreffen weniger den Inhalt als die mangelnde sprachliche Eigenständigkeit und einzelne mitübernommene Deutungen der Referenztexte.


2. Bewertung der drei Fassungen getrennt

2.1 Urtextnah — wörtliche Übersetzung mit spezifischer (modester) ELB-Affinität

2.2 mittel — formal-äquivalente Übersetzung im Normbereich ihres Typs; modeste EÜ-Affinität

2.3 Lesefluss — weitgehend eigenständig


3. Die 50 auffälligsten Verse insgesamt

Mechanisch (höchster Risiko-Score, ähnlichste Referenz). Vollständig in out/results_top_findings.csv.

#StelleFassung→RefScorelängste identische Wortfolge
1Röm 2:17mittel→EÜ10015 W.
2Röm 3:29mittel→EÜ10016 W.
3Röm 4:15Urtextnah→EÜ10015 W.
4Röm 5:8mittel→SLT10019 W.
5Röm 6:20mittel→SLT10014 W.
6Röm 7:16Urtextnah→LUT10018 W.
7Röm 8:6mittel→EÜ10017 W.
8Röm 8:22Urtextnah→SLT10015 W.
9Röm 10:9Urtextnah→ELB10027 W.
10Röm 10:21Urtextnah→ELB10019 W.
11Röm 11:5Urtextnah→ELB10015 W.
12Röm 13:10Urtextnah→ELB10015 W.
13Röm 14:11Urtextnah→ELB10023 W.
14Röm 15:30Urtextnah→ELB10027 W.
15Röm 16:12Urtextnah→ELB10018 W.
16Röm 1:17Urtextnah→ELB9915 W.
17Röm 3:1mittel→ELB9913 W.
18Röm 4:9mittel→EÜ9916 W.
19Röm 4:24mittel→EÜ9920 W.
20Röm 5:8Urtextnah→ELB9915 W.
21Röm 7:1Urtextnah→ELB9916 W.
22Röm 7:18mittel→SLT9926 W.
23Röm 7:24mittel→EÜ9913 W.
24Röm 8:11Urtextnah→ELB9917 W.
25Röm 8:11mittel→EÜ9917 W.
26Röm 8:13Urtextnah→EÜ9917 W.
27Röm 8:13mittel→EÜ9917 W.
28Röm 8:16mittel→ELB9913 W.
29Röm 8:19Urtextnah→ELB9913 W.
30Röm 8:35Urtextnah→ELB9914 W.
31Röm 9:26mittel→ELB9918 W.
32Röm 10:9mittel→NGÜ9915 W.
33Röm 13:9Urtextnah→ELB9921 W.
34Röm 15:8Urtextnah→ELB9922 W.
35Röm 16:10Urtextnah→LUT9913 W.
36Röm 16:13mittel→NGÜ9915 W.
37Röm 16:14mittel→EÜ9913 W.
38Röm 2:12mittel→SLT9822 W.
39Röm 2:20Urtextnah→ELB9815 W.
40Röm 3:22Urtextnah→ELB9815 W.
41Röm 3:27Urtextnah→SLT9814 W.
42Röm 3:30mittel→SLT9819 W. (dg5=15)
43Röm 5:3Urtextnah→ELB9814 W.
44Röm 5:10Urtextnah→ELB9816 W.
45Röm 5:21Urtextnah→SLT9817 W.
46Röm 6:14Urtextnah→ELB9813 W.
47Röm 7:1mittel→ELB9814 W.
48Röm 7:19mittel→LUT9813 W.
49Röm 8:15Urtextnah→ELB9813 W.
50Röm 8:30Urtextnah→ELB9819 W.
Wichtig (LLM-Hinweis): Ein hoher Score ist Triage, kein Urteil. Mehrere dieser Verse sind nach exegetischer Prüfung Standardkonvergenz (s. Abschnitt 5, „Entlastung"), z. B. Verse mit langer Folge aber dg5 = 0.

4. Auffälligste Kapitel / Abschnitte


5. Nächste Referenzübersetzungen (Rangfolge)

Fassung1.2.3.Charakter (basislinien-bereinigt)
UrtextnahELB (alle 16 Kap.)SLTLUT/EÜwörtlicher Typ + modeste ELB-Affinität
mittelSLTELBLUTformaler Typ (im Cluster-Normbereich) + modeste EÜ-Affinität
LeseflussGNBNGÜkommunikativer Typ, eigenständig

Details: out/results_summary_by_translation.csv, out/results_summary_by_chapter.csv.


6. Einschätzung: Abhängigkeit, Patchwork oder normale Nähe?

Antwort: weit überwiegend normale, typbedingte Übersetzungsnähe — mit schmalem Residuum.

Methodischer Vorbehalt (ehrlich benannt): Kurzverse (< 8–10 Wörter) und feste Formeln (Grußlisten Röm 16, AT-Zitatformeln „wie geschrieben steht") erzeugen unvermeidbar hohe Werte und wurden im Score gedämpft, aber nicht eliminiert. Vor allem aber: Die absoluten Trefferzahlen über-markieren diesen Texttyp grundsätzlich; maßgeblich ist die basislinien-relative Lesart (s. „Herkunft und Gültigkeit der Richtwerte").


7. Wiederkehrende Qualitätsmängel gegenüber Tischendorf 8

Da Tischendorf 8 vorliegt, urtextlich abschließend prüfbar. Befunde:

*A. Deutungen, die über den Grundtext hinausgehen und mit einer Referenz übereinstimmen (prüfenswert; jeweils auch eigenständig erklärbar):*

B. Inkonsistente Wiedergabe von Schlüsselbegriffen zwischen den Fassungen:

C. Positiv hervorzuheben (Entlastung / Qualität über Referenz):

Keine systematischen Fehler bei Tempora, Modi, Kasus oder Pronomenbezügen festgestellt; die argumentative Struktur des Römerbriefs bleibt in allen drei Fassungen erhalten. Der inhaltliche Kern ist solide — das Hauptproblem ist sprachliche Abhängigkeit, nicht Übersetzungsfehler.


8. Verse mit vorrangigem redaktionellem Prüfbedarf (Deutungsübernahme)

Kein „zwingend", aber die belastbarsten Einzelfälle — hier sollte die Formulierung bewusst vom Referenzwortlaut gelöst und die Deutung am Grundtext gemessen werden:

→ Kandidatenliste zur Sichtung: Stufe-≥3-Verse mit dg5 ≥ 2 in out/flagged_for_llm.json (Triage — die meisten davon sind nach Basislinien-Abgleich unkritisch).

9. Verse, die nur sprachlich unabhängiger formuliert werden sollten

Distinktive Übernahme ohne inhaltlichen Fehler (Wortlaut lösen genügt):

10. Verse, die unproblematisch erscheinen (Entlastung)

11. Empfehlungen für den dauerhaften Prüfworkflow

1. Mechanik vor LLM beibehalten: Die Pipeline (fetch → build_corpus → analyze) ist reproduzierbar und für jedes weitere NT-Buch wiederverwendbar (nur Buch-ID + Kapitelzahl ändern).

2. Distinktheitsmaß (dg4/dg5) als Leitkennzahl verwenden — es trennt Kopie von Konvergenz weit zuverlässiger als Run-Länge oder Cosine allein.

3. Schwellen-Gegenprüfung bei der Quelle: GenerativBibel sollte bewusst gegen die jeweilige Leit-Referenz (Urtextnah↔ELB, mittel↔EÜ/SLT) distanziert werden; eine „Anti-Plagiats-Stufe" im Erstellungs-Workflow (eigene Wortwahl bei dg5 ≥ 2) wäre wirksam.

4. Kurzvers-/Formel-Filter dauerhaft anwenden (Grußlisten, Zitatformeln nicht überbewerten).

5. Tischendorf-Treue als Stärke ausbauen: Die Fälle, in denen die GenerativBibel genauer ist als die Referenz (5:8, 8:13, 16:24), sind ein Qualitätsargument — gezielt fördern.

6. LLM-Prüfung skalieren: Bei künftigen Büchern Workflow-Orchestrierung (parallele exegetische Prüfung je markiertem Vers) erwägen; in dieser Prüfung wurden Top-Fälle + repräsentative Stichproben manuell exegetisch geprüft.


12. Angemessenheit der Urteile (kritische Selbstprüfung)

Dieser Abschnitt prüft die eigenen Schlussfolgerungen auf Über- und Unterschätzung.

Wo das Verfahren zunächst zu hart urteilte (korrigiert):

Wo Vorsicht vor Unterschätzung geboten ist (offen gehalten):

*Was das Verfahren grundsätzlich nicht kann (Ehrlichkeit über die Grenzen):*

Gesamturteil zur Angemessenheit: Nach Korrektur der Inkonsistenz hält der Bericht die Balance — er entlastet die typbedingte Aggregat-Nähe klar und belässt zugleich das schmale, reale Residuum als redaktionell prüfenswert. Das Hauptergebnis („kein Nachweis systematischer Plagiate; punktueller Prüfbedarf; Lesefluss unbedenklich") ist gegenüber den Schwellen-Annahmen robust, weil es auf der empirisch gemessenen Basislinie beruht, nicht auf den generischen Absolutschwellen.


Erzeugte Dateien

DateiInhalt
data/corpus.jsoneinheitliche Vers-Struktur (GB 3 Fassungen + Tischendorf + 6 Referenzen)
data/coverage_report.jsonAbdeckung, fehlende/auffällige Stellen
out/results_verse_level.csv7.776 Zeilen, alle Metriken je Paar
out/results_top_findings.csvähnlichste Referenz je Vers/Fassung, nach Score
out/results_summary_by_chapter.csvje Kapitel/Fassung
out/results_summary_by_translation.csvje Referenz/Fassung
out/results_summary_by_gb_version.csvVergleich der 3 Fassungen
out/flagged_for_llm.json947 Stufe-≥3-Verse + Stichproben (mit Grundtext + allen Referenztexten)
out/results_llm_review.csvexegetische LLM-Bewertung der geprüften Stellen (Aufgabe 6)
out/baseline_matrix.jsonÄhnlichkeitsmatrix (Referenzen untereinander + GB-Fassungen) — statistische Basislinie

Reproduktion: node scripts/fetch_bibelthek.jsbuild_corpus.jsanalyze.jsmake_worklist.jsbaseline.jsvalidity_check.js.


Dieser Prüfbericht wurde automatisiert erstellt (mechanische Vollanalyse + exegetische Stichprobenprüfung gegen Tischendorf 8) und dient der Transparenz über Methode und Grenzen der Augsburger GenerativBibel.