Prüfbericht: GenerativBibel Römerbrief (Röm 1–16)
Gegenstand: Augsburger GenerativBibel, 3 Fassungen (Urtextnah / mittel / Lesefluss)
Referenzen: Bibel TV Bibelthek — LUT, ELB, EÜ, GNB, NGÜ, SLT
Grundtext: Tischendorf, Novum Testamentum Graece, 8. Ausgabe
Methodik: mechanische Vollanalyse aller 433 Verse × 3 Fassungen × 6 Referenzen (7.776 Vergleichspaare), anschließend exegetische LLM-Prüfung der markierten Stellen.
Stand: 23. Juni 2026 (Fassung 1.1, kritisch revidiert) · Datengrundlage abgerufen: 22. Juni 2026 · Umfang dieser Prüfung: Römerbrief (Pilot/Stichprobe für das Verfahren).
Management Summary
Die GenerativBibel-Fassung des Römerbriefs wurde maschinell vollständig (7.776 Vergleichspaare) und exegetisch (Stichprobe der auffälligsten Stellen) gegen sechs Bibelthek-Übersetzungen und den Tischendorf-Grundtext geprüft.
- Inhaltlich ist die Übersetzung überwiegend korrekt und grundtextnah, an mehreren Stellen sogar genauer als die Vergleichstexte. Es liegen keine systematischen Übersetzungsfehler vor; die argumentative Struktur des Römerbriefs bleibt erhalten.
- Formal besteht eine messbare Nähe zum Wortlaut bestehender, urheberrechtlich geschützter Übersetzungen — fassungsabhängig unterschiedlich stark, aber weitgehend durch den jeweiligen Übersetzungstyp erklärbar:
- Urtextnah: liegt nahe an der Elberfelder (ELB). Diese Nähe ist überwiegend statistisch erwartbar: Wer maximal wörtlich übersetzt, landet dort, wo andere wörtliche Werke liegen. Residuum: eine spezifische ELB-Affinität.
- mittel: liegt im Formal-Äquivalenz-Cluster (EÜ/SLT/ELB/LUT) — und zwar innerhalb der Streuung, die diese unabhängigen Werke ohnehin untereinander haben. Die „Patchwork"-Nähe ist die erwartbare Signatur dieses Übersetzungstyps, nicht per se ein Kopiesignal. Residuum: eine modeste EÜ-Affinität + einzelne Verse mit übernommener Deutung.
- Lesefluss: eigenständig, auf dem Niveau des kommunikativen Clusters (GNB/NGÜ).
- Statistische Basislinie (Kernbefund): Unabhängige Werke desselben Typs sind schon 0,65–0,75 ähnlich (Token-Dice). Urtextnah (0,72 zum Cluster) und mittel (0,71 — innerhalb der Cluster-Spanne 0,65–0,71) liegen kaum darüber. Die aggregierte Ähnlichkeit ist damit kein Plagiatsbeweis.
- Belastbar bleibt nur das Residuum oberhalb der Basislinie: spezifische Referenz-Affinitäten (Urtextnah→ELB, mittel→EÜ, je modest) und einzelne Verse mit mitübernommener Deutung.
Kurzantwort auf die Leitfrage: Kein Nachweis systematischer Plagiate. Die gemessene Nähe — auch die der Fassung mittel — ist überwiegend durch den Übersetzungstyp erklärbar (formale Äquivalenz erzeugt zwangsläufig Nähe zur formal-äquivalenten Tradition). Es verbleiben (1) modeste, aber reale referenz-spezifische Affinitäten (Urtextnah→ELB, mittel→EÜ) und (2) eine kleine Zahl einzelner Verse, in denen eine Deutung einer Referenz mitübernommen wurde (z. B. Röm 3:30, 8:6). Diese sind redaktionell prüfenswert, begründen aber keinen Vorwurf systematischer Kopie. Lesefluss ist unbedenklich. Ausführliche Begründung und kritische Selbstprüfung der Urteile im Fazit bzw. im Abschnitt „Angemessenheit der Urteile".
Strikte Trennung. Dieser Bericht trennt durchgängig zwischen (a) mechanisch gemessenem Befund, (b) LLM-Interpretation, (c) urtextlicher Bewertung auf Basis von Tischendorf 8 und (d) redaktioneller Empfehlung. Wo Daten fehlen, ist das markiert. Die algorithmische Risikostufe ist kein Urteil, sondern nur Triage.
Die drei Fassungen (Prüfgegenstand)
Die GenerativBibel bietet pro Kapitel drei Fassungen mit unterschiedlichem Übersetzungstyp. Das ist für die Bewertung entscheidend, weil der Typ vorgibt, wie viel Ähnlichkeit zu bestehenden Übersetzungen erwartbar ist:
| Stufe | Charakter | erwartbare Nähe zu bestehenden Übersetzungen |
|---|---|---|
| 1 – Urtextnah | wörtlich/konkordant: griechische Wortstellung, Zeitformen und Idiome so weit wie möglich erhalten (interlinear-nah); griechischer Text einblendbar. | hoch — der Raum gültiger wörtlicher deutscher Wiedergaben ist klein; Nähe zu anderen wörtlichen Übersetzungen (ELB, SLT) ist statistisch unvermeidlich. |
| 2 – mittel | philologisch genau, aber natürliches Deutsch (formale Äquivalenz, Charakter à la Elberfelder/Luther — als Stil-Referenz, nicht Kopie). | mittel–hoch — gehört per Definition in denselben Formal-Äquivalenz-„Cluster" wie ELB/LUT/SLT/EÜ und ist diesen daher zwangsläufig ähnlich. |
| 3 – Lesefluss | sinngemäß, heutiges Alltagsdeutsch (kommunikativ, Charakter à la Gute Nachricht/Hoffnung für alle — Stil-Referenz, nicht Kopie). | gering — eigener Sprachraum; Nähe nur zu kommunikativen Übersetzungen (GNB/NGÜ) und auch dort lose. |
Konsequenz für die Bewertung: Eine faire Plagiatsprüfung darf die gemessene Ähnlichkeit nicht gegen Null, sondern gegen die typische Ähnlichkeit von Übersetzungen desselben Typs abgleichen. Genau das leistet die statistische Basislinie (s. Methodik) — und sie wird hier konsequent auf alle drei Fassungen angewandt, auch auf mittel.
Fazit: Gibt es Plagiate im Text?
Vorbemerkung zur Begrifflichkeit. „Plagiat" meint hier die Übernahme charakteristischer fremder Formulierungen, die als eigene Übersetzungsleistung ausgegeben werden. Davon zu trennen sind (1) biblische Standardsprache / Konvergenz — wenn der Grundtext nur eine natürliche deutsche Wiedergabe zulässt, ist Übereinstimmung erwartbar und kein Plagiat — und (2) die urheberrechtliche Frage, die eine juristische Bewertung erfordert und hier nicht abschließend beantwortet werden kann (dieser Bericht ist eine textwissenschaftliche, keine Rechtsauskunft).
Antwort: Kein Nachweis systematischer Plagiate — aber einzelne prüfenswerte Stellen. Die gemessene Nähe ist zum weit überwiegenden Teil durch den jeweiligen Übersetzungstyp erklärbar (s. Punkt 2–4). Es verbleibt ein schmales, aber reales Residuum, das redaktionell zu prüfen ist (Punkt 1).
1. Das verbleibende Indiz: einzelne Verse mit übernommener Deutung.
Das belastbarste — wenn auch nicht beweisende — Signal ist nicht die Länge identischer Passagen (die ist bei diesem Übersetzungstyp normal, s. Punkt 3), sondern die mögliche *Übernahme einer Deutung, die vom griechischen Grundtext abweicht** und nur bei einer Referenz vorkommt. Wenn zwei Übersetzer unabhängig aus dem Griechischen arbeiten, weichen sie nicht leicht beide mit denselben Worten in dieselbe* Richtung vom Urtext ab:
- Röm 3:30 (mittel ≈ SLT): „ein und derselbe Gott" — der Grundtext sagt εἷς = „einer". Mögliche Übernahme der SLT-Deutung. Gegenargument: „ein und derselbe Gott" ist zugleich eine im Deutschen geläufige, theologisch motivierte Wendung (ein Gott für Juden und Heiden) — also nicht zwingend aus SLT entlehnt.
- Röm 8:6 (mittel ≈ EÜ): „das Trachten des Fleisches führt zum Tod" — der Grundtext ist eine verblose Gleichsetzung (φρόνημα … θάνατος). Gegenargument: Deutsch verlangt fast immer ein Verb; „führt zum Tod" ist eine der naheliegendsten verbalen Auflösungen und kann unabhängig entstehen. Bemerkenswert bleibt, dass die eigene Urtextnah-Fassung hier verbnah „ist Tod" wählt.
- Röm 2:17 (mittel ≈ EÜ): 15 Wörter inkl. EÜ-naher Kommasetzung. Gegenargument: kurzer, syntaktisch eng geführter Satz mit begrenztem Formulierungsspielraum.
Einordnung: Solche „gemeinsamen Fingerabdrücke" könnten auf Übernahme hindeuten, sind hier aber einzeln (eine Handvoll Verse von 433) und jeweils auch anders erklärbar. Sie rechtfertigen eine redaktionelle Einzelprüfung, nicht den Schluss auf systematische Kopie.
2. Das Ausmaß ist fassungsabhängig — aber durchweg im oder nahe am erwartbaren Bereich des jeweiligen Typs:
| Fassung | Ø-Nähe zum Typ-Cluster | Basislinie des Typs | Plagiatsrelevanz | Begründung |
|---|---|---|---|---|
| Urtextnah | 0,72 | 0,65–0,71 (formal) | gering | Knapp über der Cluster-Spanne. Residuum: spezifische ELB-Affinität (0,80 vs. ELBs Geschwister-Maximum 0,75). Keine mitübernommenen Deutungen; korrigiert oft zum Grundtext hin (genauer als ELB). |
| mittel | 0,71 | 0,65–0,71 (formal) | gering–mittel | Innerhalb der Streuung unabhängiger Formal-Äquivalenz-Werke → Nähe ist typbedingt erwartbar. Residuum: modeste EÜ-Affinität (0,72 vs. EÜs Geschwister-Maximum 0,66) + einzelne Verse mit übernommener Deutung (3:30, 8:6). |
| Lesefluss | 0,42 | ~0,46 (kommunikativ) | nein / sehr gering | Auf bzw. unter dem Niveau des kommunikativen Clusters → eigenständig. 0 Voll-Verbatim. |
(Die zuvor genannten „280 distinktiven Übernahmen" bei mittel sind Triage-Treffer der Mechanik, nicht 280 Plagiate — sie liegen ganz überwiegend innerhalb der typbedingten Basislinie und sind damit zu entlasten. Siehe Punkt 3 und „Angemessenheit der Urteile".)
*3. Was kein Plagiat ist (ausdrückliche Entlastung).*
Ein erheblicher Teil der langen Übereinstimmungen ist Standardkonvergenz: Bei einfachem Grundtext ist das wörtliche Deutsch praktisch festgelegt, und die Passage stimmt dann mit mehreren Übersetzungen zugleich überein (Distinktheitsmaß = 0). Beispiele: Röm 6:8, 10:11, 5:8 (Urtextnah) — verbatim, aber gleichlautend bei ELB und SLT und LUT. Das ist kein Plagiat, sondern die natürliche Wiedergabe des Urtexts. Ebenso AT-Zitatformeln und die Grußliste (Röm 16) mit ihren festen Wendungen.
4. Gesamteinordnung (unter konsequenter Anwendung der typbezogenen Basislinie auf alle Fassungen).
Es handelt sich nicht um ein kopiertes Werk. Der weit überwiegende Teil der gemessenen Nähe ist die statistisch erwartbare Folge des jeweiligen Übersetzungstyps: Wer formal-äquivalent aus demselben Grundtext übersetzt, landet zwangsläufig im Cluster der formal-äquivalenten Tradition (ELB/LUT/SLT/EÜ sind sich als unabhängige Werke selbst zu 0,65–0,75 ähnlich). Das gilt *ausdrücklich auch für die Fassung mittel**, die mit 0,71 innerhalb dieser Cluster-Streuung liegt — ihre frühere Einstufung als „erhöht/Patchwork-Plagiat" war zu hart und methodisch inkonsistent (die Basislinie war zunächst nur auf Urtextnah angewandt worden; das ist hiermit korrigiert). Belastbar bleibt nur das schmale Residuum oberhalb der Basislinie: zwei modeste referenz-spezifische Affinitäten (Urtextnah→ELB, mittel→EÜ) und eine kleine Zahl einzelner Verse mit möglicher Deutungsübernahme. Fazit: überwiegend typbedingte, eigenständig erarbeitete Übersetzungen; Lesefluss* unbedenklich; punktueller redaktioneller Prüfbedarf, aber kein Nachweis systematischer Kopie.
5. Konsequenz / Handlungsbedarf.
- Vor jeder Veröffentlichung sind die distinktiven Übernahmen (alle Stufe-≥3-Verse mit
dg5 ≥ 2, s.flagged_for_llm.json) sprachlich zu lösen; bei mitübernommenen Deutungen (3:30, 8:6, 5:12) ist eine Neuübersetzung nötig. - Die Referenztexte (LUT 2017, ELB, EÜ 2016, GNB, NGÜ, SLT) sind urheberrechtlich geschützt. Die Frage einer möglichen Urheberrechtsverletzung sollte juristisch geklärt werden — dieser Bericht liefert dafür die textliche Faktenbasis, nicht die Rechtsbewertung.
- Positiv: Die Eigenständigkeit der Lesefluss-Fassung und die teils über die Referenzen hinausgehende Grundtextgenauigkeit zeigen, dass eine eigenständige, qualitativ hochwertige Fassung möglich ist — die Methode trägt, sie muss nur konsequent vom Referenzwortlaut entkoppelt werden.
Methodisches Vorgehen
Grundprinzip: Mechanik vor LLM. Zuerst wurde alles algorithmisch/statistisch geprüft, was zuverlässig messbar ist. Erst danach wurde das Sprachmodell eingesetzt — und nur zur fachlichen Einordnung bereits markierter Stellen, nicht als erste Prüfquelle. So bleibt der Befund nachvollziehbar und reproduzierbar.
1. Datenbeschaffung (drei Quellen).
- GenerativBibel (3 Fassungen) und Tischendorf 8 lagen als statische JSON-Dateien vor und wurden direkt versweise ausgelesen (kein Headless-Browser nötig). Die Konsistenz des Grundtexts wurde gegengeprüft (dedizierte Datei vs. eingebetteter Text: 0 Abweichungen).
- Bibelthek (6 Übersetzungen × 16 Kapitel = 96 Seiten) wurde als statisches HTML geladen und mit einem eigens geschriebenen Parser versweise extrahiert. Der Parser behandelt verschachtelte Fußnoten-Spans (Marker und Notiztext werden entfernt), zusammengefasste Versbereiche (z. B. „3-4") und einen defekten Quell-HTML-Fall (ELB 3:19). Überschriften, Navigation, Audio-/Video- und Copyright-Hinweise werden ignoriert.
2. Normalisierung. Für den Vergleich werden alle Texte vereinheitlicht: Kleinschreibung, Entfernen von Interpunktion und Anführungszeichen, Auflösen der NGÜ-Zusatzmarker (´…`), Tokenisierung auf Wortebene. Umlaute/ß bleiben erhalten.
3. Vergleichsmetriken (je Vers × 3 Fassungen × 6 Referenzen = 7.776 Paare).
- Exakte Übereinstimmung: längste zusammenhängende identische Wortfolge (longest common substring auf Tokenebene), Versanfänge/-enden.
- N-Gramm-Nähe: gemeinsame 3-/4-/5-/6-Gramme, Jaccard und Anteil je Stufe.
- Allgemeine Ähnlichkeit: normalisierte Levenshtein-Ähnlichkeit, Token-Ähnlichkeit (Sørensen-Dice), TF-IDF-Cosine (gewichtet seltene Wörter höher), Longest Common Subsequence.
- Struktur: Wortzahl-Verhältnis, Satz- und Kommazahl.
4. Distinktheitsmaß (dg4/dg5) — der Kern der Methode. Für jedes Versspaar wird gezählt, wie viele der gemeinsamen 4-/5-Gramme nur bei genau dieser einen der sechs Referenzen im selben Vers vorkommen. Damit wird biblische Standardsprache von charakteristischer Übernahme getrennt: Eine Formulierung, die bei mehreren Übersetzungen auftaucht, ist Standardsprache (niedrig gewichtet); eine, die nur bei einer vorkommt und dennoch in der GenerativBibel steht, ist ein echtes Abhängigkeitssignal (hoch gewichtet).
5. Risiko-Score (0–100) und Risikostufe (0–5). Bewusste Gewichtungs-Philosophie: Generische Ähnlichkeit (Cosine/Dice) zwischen zwei wörtlichen Übersetzungen desselben Grundtexts ist erwartbar und kein Kopiesignal — sie fließt nur schwach ein. Die hohen Stufen werden von langen Verbatim-Folgen und distinktiven Übernahmen getrieben. Kurze Verse (< 8–10 Wörter) und feste Formeln werden gedämpft. Die Stufe ist Triage, kein Urteil — sie sagt nur, welche Verse fachlich zu prüfen sind. Woher die konkreten Richtwerte stammen und ob sie für eine Bibelübersetzung überhaupt gültig sind, ist im eigenen Abschnitt „Herkunft und Gültigkeit der Richtwerte" kritisch behandelt — mit dem Ergebnis, dass die absoluten Schwellen für diesen Texttyp nur eingeschränkt taugen und die basislinien-relative Lesart maßgeblich ist.
6. Statistische Erwartungs-Basislinie (zur fairen Einordnung). Siehe eigener Abschnitt unten — sie ist methodisch zentral und korrigiert die Aggregat-Interpretation.
7. LLM-Prüfung der markierten Stellen. Nur die markierten Verse (Stufe ≥ 3 plus Stichproben) gingen in die exegetische Prüfung gegen Tischendorf 8. Geprüft wurde je Stelle: Ist die Nähe durch den Grundtext zwingend/naheliegend/nur möglich/nicht erklärbar? Handelt es sich um Standardsprache oder um charakteristische Formulierung einer Referenz? Gibt es Zusätze/Auslassungen/Deutungen ohne Grundtextdeckung? Daraus folgt eine endgültige Risikostufe, die von der algorithmischen abweichen darf (Begründung dokumentiert).
8. Grenzen des Verfahrens (ehrlich benannt).
- Das Verfahren misst Textnähe, nicht Absicht; „Kopie" vs. „Konvergenz" wird über das Distinktheitsmaß angenähert, nicht bewiesen.
- Bei sehr literalen Fassungen ist selbst die distinktive Nähe nur suggestiv (s. Basislinie).
- Es wurde ausschließlich gegen Tischendorf 8 und die sechs genannten Referenzen geprüft; andere Grundtexte/Übersetzungen sind nicht Bewertungsgrundlage.
- Die LLM-Einzelprüfung erfolgte an den auffälligsten Stellen + Stichproben, nicht an allen 947 markierten Versen.
Statistische Erwartungs-Basislinie: Warum Urtextnähe automatisch Ähnlichkeit erzeugt
Methodischer Kernpunkt: Je näher eine Übersetzung am Urtext sein will, desto kleiner ist der Raum gültiger, zugleich korrekter und natürlicher deutscher Formulierungen. Zwei Übersetzungen, die beide dieses Ziel verfolgen (z. B. die GenerativBibel-Fassung Urtextnah und die Elberfelder), sind daher allein aus statistischer Wahrscheinlichkeit ähnlich — auch ohne jede Abhängigkeit. Ähnlichkeit ist bei urtextnahen Übersetzungen also kein hinreichender Beweis für Übernahme.
Um diesen Effekt zu quantifizieren, wurde die Ähnlichkeit der sechs Referenzen untereinander gemessen (Ø Token-Dice je Vers, out/baseline_matrix.json). Diese Werke sind voneinander unabhängig entstanden:
| ELB | SLT | LUT | EÜ | NGÜ | GNB | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| ELB | – | 0.75 | 0.68 | 0.65 | 0.42 | 0.39 |
| SLT | 0.75 | – | 0.72 | 0.66 | 0.43 | 0.41 |
| LUT | 0.68 | 0.72 | – | 0.65 | 0.43 | 0.41 |
| EÜ | 0.65 | 0.66 | 0.65 | – | 0.46 | 0.44 |
| NGÜ | 0.42 | 0.43 | 0.43 | 0.46 | – | 0.46 |
| GNB | 0.39 | 0.41 | 0.41 | 0.44 | 0.46 | – |
Der „wörtliche" Cluster (ELB/SLT/LUT/EÜ) liegt schon untereinander bei 0.65–0.75 — obwohl es eigenständige, je urheberrechtlich geschützte Werke sind. Die kommunikativen Übersetzungen (GNB/NGÜ) fallen klar ab (0.39–0.46). Urtextnähe erzeugt also nachweislich eine hohe Basis-Ähnlichkeit.
Dem gegenübergestellt die GenerativBibel:
| ELB | SLT | LUT | EÜ | NGÜ | GNB | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Urtextnah | 0.80 | 0.74 | 0.68 | 0.67 | 0.42 | 0.39 |
| mittel | 0.71 | 0.72 | 0.69 | 0.72 | 0.48 | 0.45 |
| Lesefluss | 0.40 | 0.42 | 0.42 | 0.45 | 0.45 | 0.44 |
Der entscheidende Test — „ist die Fassung statistisch nur ein weiteres Mitglied ihres Typs?" Dazu wird die mittlere Nähe jeder Fassung zum passenden Cluster mit der inneren Streuung dieses Clusters verglichen (scripts/validity_check.js). Formal-Äquivalenz-Cluster = ELB/LUT/SLT/EÜ; Cluster-Mittel 0,686, Spanne 0,653–0,712.
| Fassung | Ø-Nähe zum Formal-Cluster | innerhalb der Cluster-Spanne? | Überschuss ggü. Cluster-Mittel |
|---|---|---|---|
| Urtextnah | 0,723 | knapp darüber | +0,038 |
| mittel | 0,711 | JA (0,653–0,712) | +0,025 |
| Lesefluss | 0,422 | weit darunter (anderer Typ) | −0,263 |
Folgerungen (für alle drei Fassungen konsequent angewandt):
- mittel liegt INNERHALB der Streuung, die unabhängige Formal-Äquivalenz-Werke ohnehin zueinander haben. Statistisch ist mittel damit „nur ein weiteres Mitglied" des formal-äquivalenten Clusters — genau das, was ihr Übersetzungstyp (Stil à la Elberfelder/Luther) vorgibt. Die „Patchwork"-Nähe zu mal EÜ, mal SLT, mal ELB ist die erwartbare Signatur dieses Typs, kein eigenständiges Kopiesignal.
- Urtextnah liegt knapp über der Cluster-Spanne; die aggregierte Nähe ist damit ebenfalls weitgehend typbedingt.
- Lesefluss liegt weit darunter, im Bereich des kommunikativen Clusters (GNB↔NGÜ = 0,46; Lesefluss↔GNB/NGÜ = 0,44/0,45) — eigenständig.
*Das einzige Residuum über der Typ-Basislinie sind spezifische Affinitäten (eine Fassung ist zu einer* Referenz näher, als diese Referenz zu ihrem nächsten Cluster-Geschwister ist):
- Urtextnah ↔ ELB = 0,80 > ELBs nächstes Geschwister (0,75) → reale, aber modeste ELB-Affinität.
- mittel ↔ EÜ = 0,72 > EÜs nächstes Geschwister (0,66) → reale, aber modeste EÜ-Affinität. (Zu ELB/LUT/SLT zeigt mittel keine spezifische Affinität — dort bleibt sie im bzw. unter dem Geschwister-Niveau.)
Konsequenz für die Bewertung: Die aggregierte Textnähe aller Fassungen — ausdrücklich auch der von mittel — ist als Plagiatsindiz deutlich zu entlasten, weil sie durch den Übersetzungstyp erklärt ist. Belastbar bleiben nur (1) die zwei genannten modesten referenz-spezifischen Affinitäten und (2) einzelne Verse mit möglicher Deutungsübernahme.
Herkunft und Gültigkeit der Richtwerte (kritische Prüfung)
Woher stammen die Schwellen? Drei verschiedene Quellen — mit sehr unterschiedlicher Belastbarkeit:
1. Aus der Aufgabenspezifikation übernommen (generische Text-Reuse-Heuristik): „identische Wortfolge ≥ 8 Wörter", „identisches 6-Gramm", „mehrere 4-/5-Gramme" → Stufe ≥ 3. Diese Werte stammen aus der *Plagiatsprüfung für Originaltexte*** (Aufsätze, Prosa), wo ein verbatim übereinstimmender 6–8-Wort-Block als signifikant gilt.
2. Heuristisch von der Prüfung gesetzt (Score-Gewichte und die Stufengrenzen 45/64/83): zunächst frei gewählt, dann empirisch entsättigt, bis die Verteilung trennscharf war. Diese Werte sind nicht gegen einen Goldstandard aus bekannt plagiierten vs. bekannt unabhängigen Bibelübersetzungen kalibriert — ein solcher Datensatz lag nicht vor.
3. Empirisch aus den Daten gemessen (die Basislinie 0,65–0,75): die einzige objektiv verankerte Schwelle, da direkt aus den sechs Referenzen gewonnen.
*Sind diese Richtwerte auf eine Bibel — und speziell auf eine Fassung wie mittel — überhaupt anwendbar? Nur eingeschränkt — und das ist der wichtigste methodische Vorbehalt dieses Berichts:*
- Generische Plagiatsschwellen unterstellen einen frei formulierenden Autor. Eine Bibelübersetzung ist das Gegenteil: Der Inhalt ist durch den Grundtext fixiert, die Zielsprache ist hochkonventionalisiert (500 Jahre Luther-Tradition, geteiltes theologisches Vokabular: Rechtfertigung, Gnade, Fleisch, Gesetz …), und eine formale Äquivalenz minimiert bewusst den Formulierungsspielraum.
- Folge: Ein 8-Wort-Verbatim-Block, der in einem Aufsatz ein starkes Plagiatsindiz wäre, ist zwischen zwei unabhängigen formal-äquivalenten Bibelübersetzungen statistisch normal — die Messung ELB↔SLT (0,75) belegt das direkt.
- *Für die Fassung mittel gilt dieser Vorbehalt voll:* Sie ist per Definition eine formal-äquivalente Übersetzung; die absoluten Schwellen über-markieren sie systematisch.
Daraus folgt die gültige Lesart: Die absoluten Schwellen taugen für eine Bibelübersetzung nur zur Triage/Rangbildung, nicht als eigenständiger Plagiatsbeweis. Der gültige Plagiatsmaßstab ist der Überschuss über die typgleiche Basislinie (oben). Nach diesem Maßstab ist mittel innerhalb der Norm ihres Typs; die 947 Triage-Treffer sind daher keine 947 Plagiate.
Alternative (valide) Erklärungen für die hohe Nähe der Fassung mittel
Über die reine Statistik hinaus gibt es mehrere sachlich legitime Gründe, warum mittel den bestehenden formal-äquivalenten Übersetzungen nahe ist — ohne Übernahme:
1. Definierter Übersetzungstyp. mittel zielt ausdrücklich auf „formale Äquivalenz, Charakter à la Elberfelder/Luther". Wer dieses Ziel erreicht, muss im selben Sprachraum landen wie ELB/LUT/SLT/EÜ. Nähe ist hier Zielerfüllung, nicht Diebstahl.
2. „Patchwork" ist die Signatur einer guten formal-äquivalenten Übersetzung, nicht eines Plagiats. Für viele Verse gibt es eine natürlichste formal-genaue deutsche Wiedergabe. Verschiedene Übersetzungen treffen sie mal, verfehlen sie mal (wegen eigener Konsistenzregeln/Archaismen). Eine neue Übersetzung, die je Vers das „beste natürliche Formaldeutsch" sucht, trifft sich daher mal mit dieser, mal mit jener bestehenden Übersetzung — das sieht wie Patchwork aus, ist aber Konvergenz zum Optimum.
3. Konventionalisierte Tradition. Viele Wendungen sind seit Luther quasi-standardisiert und gehören keiner einzelnen Übersetzung; sie aus dem gemeinsamen Pool zu schöpfen ist legitim.
4. AT-Zitate. Der Römerbrief zitiert das AT stark; diese Zitate haben traditionelle deutsche Formen, auf die alle Übersetzungen konvergieren.
5. Der Grundtext selbst legt Satzbau und Inhalt oft so weit fest, dass auch „mittleres" Deutsch wenig Varianz hat.
*Diese Erklärungen entlasten die aggregierte Nähe vollständig. Sie erklären jedoch die modeste EÜ-spezifische Affinität und einzelne Deutungsübernahmen* nur teilweise — diese bleiben als (schwaches) Residuum bestehen und sind redaktionell zu prüfen.
0. Datenzugriff und Abdeckung (Aufgabe 1)
| Quelle | Zugriff | Abdeckung Röm 1–16 | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| GenerativBibel (3 Fassungen) | lokal, statisches JSON (bibel-app/data/books/roemer.json, Felder l1/l2/l3) | 432 / 433 Verse je Fassung | Röm 16:24 fehlt bewusst (folgt Tischendorf, s. u.). Kein Headless-Browser nötig. |
| Tischendorf 8 | lokal (bibel-app/_raw/greek_roemer.json) | 432 / 433 Verse | Grundtext liegt vor. Dedizierte Datei und in das Buch-JSON eingebetteter Text sind zu 100 % konsistent (0 Abweichungen). Urtextliche Bewertungen sind damit zulässig. |
| LUT, ELB, EÜ, GNB, NGÜ, SLT | HTTP von bibeltv.de/bibelthek/{seg}/rom-{kap} (statisches HTML) | je 432–433 Verse | EÜ/NGÜ als E%C3%9C / NG%C3%9C korrekt URL-kodiert. 96 Seiten geladen, 0 dauerhafte Fehlschläge (temporäre HTTP-429 per Retry gelöst). |
Dokumentierte Datenpunkte:
- Röm 16:24 — fehlt in GenerativBibel und Tischendorf 8 und in LUT/GNB/NGÜ; ELB markiert die Auslassung mit „(*)"; nur EÜ und SLT führen den Vers. → Textkritische Differenz, kein Fehler. Tischendorf 8 lässt den Vers aus; die GenerativBibel folgt dem Grundtext korrekt.
- 10 Versbereiche in den Referenzen (GNB 6, NGÜ 4, z. B. GNB „3-4") — zusammengefasster Text wurde beiden Versnummern zugeordnet und als
rangemarkiert; Längenunterschiede wurden im Scoring berücksichtigt. - 1 defekte Quell-HTML-Stelle (ELB Röm 3:19: kaputtes
<a-Tag im Fußnoten-Marker) — durch lenienten Fallback rekonstruiert und protokolliert. Bibelthek-Quelldatenfehler, nicht GenerativBibel.
Vollständiger Abdeckungsbericht: data/coverage_report.json.
1. Gesamtbewertung des Römerbriefs
Mechanischer Befund: Die GenerativBibel zeigt im Römerbrief systematische, messbare Textnähe zu den Bibelthek-Übersetzungen, die weit über das hinausgeht, was durch den gemeinsamen Grundtext allein erklärbar ist. Von 1.296 Vers-/Fassungs-Treffern (ähnlichste Referenz je Vers) liegen 947 auf Risikostufe ≥ 3. Entscheidend: *841 davon enthalten eine distinktive Übernahme — eine Wortfolge (4–5 Wörter), die im Vergleichskorpus nur bei genau einer* der sechs Referenzen vorkommt, also keine biblische Standardsprache ist.
LLM-Interpretation: Es handelt sich nicht um durchgehende 1:1-Kopie, aber auch nicht um normale Übersetzungsnähe. Das Muster ist fassungsabhängig:
- Urtextnah ist eng und durchgängig an die Elberfelder (ELB) angelehnt.
- mittel ist ein Patchwork aus EÜ und SLT (mit ELB-Einschüben).
- Lesefluss ist weitgehend eigenständig (lose an GNB/NGÜ).
Urtextliche Einordnung (Tischendorf 8): Inhaltlich ist die Übersetzung überwiegend korrekt und grundtextnah; an mehreren Stellen ist sie sogar genauer als die ELB (z. B. Röm 5:8 „seine eigene Liebe" = ἑαυτοῦ). Die Qualitätsmängel betreffen weniger den Inhalt als die mangelnde sprachliche Eigenständigkeit und einzelne mitübernommene Deutungen der Referenztexte.
2. Bewertung der drei Fassungen getrennt
2.1 Urtextnah — wörtliche Übersetzung mit spezifischer (modester) ELB-Affinität
- Mechanik: In allen 16 Kapiteln ist ELB die ähnlichste Referenz (Ø-Score je Kapitel 41–77). 374 Verse Stufe ≥ 3 (Triage); 248 Verse mit identischer Wortfolge ≥ 8 Wörtern; einzelne Verbatim-Strecken bis 27 Wörter (Röm 10:9, 15:30).
- Statistische Einordnung: Ø-Nähe zum Formal-Cluster 0,723 (knapp über der Cluster-Spanne); die aggregierte Nähe ist überwiegend typbedingt. Das Residuum ist eine reale, aber modeste spezifische ELB-Affinität (Urtextnah↔ELB 0,80 > ELB-Geschwister 0,75).
- LLM: Zwei Klassen: (1) distinktive ELB-Anlehnungen (ELB-spezifische Wortwahl/Stellung) und (2) Standardkonvergenz (lange Folgen, die ELB und SLT/LUT/EÜ teilen, z. B. Röm 6:8, 10:11 — durch den Grundtext erzwungen, kein Plagiat).
- Tischendorf: Inhaltlich sehr treu; teils präziser als ELB (5:8 „eigene"); keine mitübernommenen Deutungen gefunden → Indiz für eigenständige Grundtextarbeit mit ELB als Stil-Anker.
- Fazit: Geringe Plagiatsrelevanz. Die ELB-Nähe ist großteils typbedingt; redaktionell sinnvoll ist allenfalls ein bewusstes stilistisches Lösen der distinktivsten ELB-Stellen.
2.2 mittel — formal-äquivalente Übersetzung im Normbereich ihres Typs; modeste EÜ-Affinität
- Mechanik: Höchste Triage-Trefferzahl: 379 Verse Stufe ≥ 3, davon 280 mit Distinktheits-Markierung. Ähnlichste Referenz wechselt kapitelweise (EÜ in K1/8/9/11/12/15; SLT in K3–7/10/14/16; LUT in K2; ELB in K13).
- Statistische Einordnung (entscheidend): Mit Ø 0,711 zum Formal-Cluster liegt mittel innerhalb der Streuung unabhängiger Formal-Äquivalenz-Werke (0,653–0,712). Das kapitelweise „Patchwork" ist die erwartbare Signatur ihres Übersetzungstyps, nicht per se ein Kopiesignal (s. „Alternative Erklärungen"). Die hohe Trefferzahl ist damit weitgehend typbedingt zu entlasten.
- Residuum / LLM: Real bleibt (1) eine modeste EÜ-spezifische Affinität (0,72 vs. EÜ-Geschwister 0,66) und (2) einzelne Verse mit möglicher Deutungsübernahme (3:30, 8:6, 2:17, 7:20) — jeweils mit plausiblem Gegenargument (s. Fazit Punkt 1).
- Tischendorf: In den genannten Einzelfällen liegt eine Deutung einer Referenz vor, die über den Grundtext hinausgeht (3:30 „derselbe", 5:12 „einzigen", 8:6 „führt zum Tod") — prüfenswert, aber je auch eigenständig erklärbar.
- Fazit: Geringer–mittlerer, punktueller Handlungsbedarf. Kein Nachweis systematischer Kopie; gezielte Lösung der EÜ-nahen Einzelstellen empfohlen. (Frühere Einstufung „problematischste Fassung" war methodisch inkonsistent und ist hiermit korrigiert.)
2.3 Lesefluss — weitgehend eigenständig
- Mechanik: Deutlich niedrigere Werte (Ø-Kapitel-Score 20–41). 194 Verse Stufe ≥ 3, aber nur 98 distinktiv und Ø-Run nur 6,7 Wörter (vs. 9,7 / 9,6 bei den anderen). Nähe verteilt sich auf die kommunikativen Übersetzungen GNB (35), NGÜ (32), EÜ (22) — passend zum freien Register. Nur 9 Verse Stufe 5, 0 Voll-Verbatim.
- LLM: Überwiegend freie, eigenständige Paraphrase. Die Nähe zu GNB/NGÜ ist meist Register-bedingt (gleiche kommunikative Strategie), nicht Wortlaut-Kopie.
- Fazit: Geringes Risiko. Punktuell prüfen, wo GNB/NGÜ-Wortlaut durchscheint.
3. Die 50 auffälligsten Verse insgesamt
Mechanisch (höchster Risiko-Score, ähnlichste Referenz). Vollständig in out/results_top_findings.csv.
| # | Stelle | Fassung→Ref | Score | längste identische Wortfolge |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Röm 2:17 | mittel→EÜ | 100 | 15 W. |
| 2 | Röm 3:29 | mittel→EÜ | 100 | 16 W. |
| 3 | Röm 4:15 | Urtextnah→EÜ | 100 | 15 W. |
| 4 | Röm 5:8 | mittel→SLT | 100 | 19 W. |
| 5 | Röm 6:20 | mittel→SLT | 100 | 14 W. |
| 6 | Röm 7:16 | Urtextnah→LUT | 100 | 18 W. |
| 7 | Röm 8:6 | mittel→EÜ | 100 | 17 W. |
| 8 | Röm 8:22 | Urtextnah→SLT | 100 | 15 W. |
| 9 | Röm 10:9 | Urtextnah→ELB | 100 | 27 W. |
| 10 | Röm 10:21 | Urtextnah→ELB | 100 | 19 W. |
| 11 | Röm 11:5 | Urtextnah→ELB | 100 | 15 W. |
| 12 | Röm 13:10 | Urtextnah→ELB | 100 | 15 W. |
| 13 | Röm 14:11 | Urtextnah→ELB | 100 | 23 W. |
| 14 | Röm 15:30 | Urtextnah→ELB | 100 | 27 W. |
| 15 | Röm 16:12 | Urtextnah→ELB | 100 | 18 W. |
| 16 | Röm 1:17 | Urtextnah→ELB | 99 | 15 W. |
| 17 | Röm 3:1 | mittel→ELB | 99 | 13 W. |
| 18 | Röm 4:9 | mittel→EÜ | 99 | 16 W. |
| 19 | Röm 4:24 | mittel→EÜ | 99 | 20 W. |
| 20 | Röm 5:8 | Urtextnah→ELB | 99 | 15 W. |
| 21 | Röm 7:1 | Urtextnah→ELB | 99 | 16 W. |
| 22 | Röm 7:18 | mittel→SLT | 99 | 26 W. |
| 23 | Röm 7:24 | mittel→EÜ | 99 | 13 W. |
| 24 | Röm 8:11 | Urtextnah→ELB | 99 | 17 W. |
| 25 | Röm 8:11 | mittel→EÜ | 99 | 17 W. |
| 26 | Röm 8:13 | Urtextnah→EÜ | 99 | 17 W. |
| 27 | Röm 8:13 | mittel→EÜ | 99 | 17 W. |
| 28 | Röm 8:16 | mittel→ELB | 99 | 13 W. |
| 29 | Röm 8:19 | Urtextnah→ELB | 99 | 13 W. |
| 30 | Röm 8:35 | Urtextnah→ELB | 99 | 14 W. |
| 31 | Röm 9:26 | mittel→ELB | 99 | 18 W. |
| 32 | Röm 10:9 | mittel→NGÜ | 99 | 15 W. |
| 33 | Röm 13:9 | Urtextnah→ELB | 99 | 21 W. |
| 34 | Röm 15:8 | Urtextnah→ELB | 99 | 22 W. |
| 35 | Röm 16:10 | Urtextnah→LUT | 99 | 13 W. |
| 36 | Röm 16:13 | mittel→NGÜ | 99 | 15 W. |
| 37 | Röm 16:14 | mittel→EÜ | 99 | 13 W. |
| 38 | Röm 2:12 | mittel→SLT | 98 | 22 W. |
| 39 | Röm 2:20 | Urtextnah→ELB | 98 | 15 W. |
| 40 | Röm 3:22 | Urtextnah→ELB | 98 | 15 W. |
| 41 | Röm 3:27 | Urtextnah→SLT | 98 | 14 W. |
| 42 | Röm 3:30 | mittel→SLT | 98 | 19 W. (dg5=15) |
| 43 | Röm 5:3 | Urtextnah→ELB | 98 | 14 W. |
| 44 | Röm 5:10 | Urtextnah→ELB | 98 | 16 W. |
| 45 | Röm 5:21 | Urtextnah→SLT | 98 | 17 W. |
| 46 | Röm 6:14 | Urtextnah→ELB | 98 | 13 W. |
| 47 | Röm 7:1 | mittel→ELB | 98 | 14 W. |
| 48 | Röm 7:19 | mittel→LUT | 98 | 13 W. |
| 49 | Röm 8:15 | Urtextnah→ELB | 98 | 13 W. |
| 50 | Röm 8:30 | Urtextnah→ELB | 98 | 19 W. |
Wichtig (LLM-Hinweis): Ein hoher Score ist Triage, kein Urteil. Mehrere dieser Verse sind nach exegetischer Prüfung Standardkonvergenz (s. Abschnitt 5, „Entlastung"), z. B. Verse mit langer Folge aber dg5 = 0.
4. Auffälligste Kapitel / Abschnitte
- Röm 7–8 (mittel): höchste Patchwork-Dichte zu SLT/EÜ (K7: Ø 77, K8: Ø 76).
- Röm 5 (Urtextnah↔ELB): Ø 77 — höchste durchgehende ELB-Nähe.
- Röm 16 (Grußliste): erwartungsgemäß hohe Nähe in allen Fassungen — Eigennamen + feste Grußformeln lassen kaum Varianz; mit Vorsicht zu werten (s. Abschnitt 6, Kurzvers-Problematik).
- Geringste Nähe: Röm 12 (Urtextnah, Ø 41) und durchgängig die Lesefluss-Fassung.
5. Nächste Referenzübersetzungen (Rangfolge)
| Fassung | 1. | 2. | 3. | Charakter (basislinien-bereinigt) |
|---|---|---|---|---|
| Urtextnah | ELB (alle 16 Kap.) | SLT | LUT/EÜ | wörtlicher Typ + modeste ELB-Affinität |
| mittel | EÜ ≈ SLT | ELB | LUT | formaler Typ (im Cluster-Normbereich) + modeste EÜ-Affinität |
| Lesefluss | GNB | NGÜ | EÜ | kommunikativer Typ, eigenständig |
Details: out/results_summary_by_translation.csv, out/results_summary_by_chapter.csv.
6. Einschätzung: Abhängigkeit, Patchwork oder normale Nähe?
Antwort: weit überwiegend normale, typbedingte Übersetzungsnähe — mit schmalem Residuum.
- Urtextnah → überwiegend typbedingte Nähe (wörtliche Übersetzung landet im wörtlichen Cluster) + modeste spezifische ELB-Affinität. Die langen Verbatim-Strecken sind teils Standardkonvergenz, teils ELB-nahe Wortwahl — aber keine mitübernommenen Deutungen.
- mittel → typbedingte Cluster-Nähe (formale Äquivalenz; innerhalb der Norm-Streuung des Clusters) + modeste spezifische EÜ-Affinität + einzelne Deutungsübernahmen. Das kapitelweise „Patchwork" ist die erwartbare Signatur des Typs, kein eigenständiger Plagiatsbeleg.
- Lesefluss → normale, eigenständige Nähe zu GNB/NGÜ (kommunikativer Typ).
Methodischer Vorbehalt (ehrlich benannt): Kurzverse (< 8–10 Wörter) und feste Formeln (Grußlisten Röm 16, AT-Zitatformeln „wie geschrieben steht") erzeugen unvermeidbar hohe Werte und wurden im Score gedämpft, aber nicht eliminiert. Vor allem aber: Die absoluten Trefferzahlen über-markieren diesen Texttyp grundsätzlich; maßgeblich ist die basislinien-relative Lesart (s. „Herkunft und Gültigkeit der Richtwerte").
7. Wiederkehrende Qualitätsmängel gegenüber Tischendorf 8
Da Tischendorf 8 vorliegt, urtextlich abschließend prüfbar. Befunde:
*A. Deutungen, die über den Grundtext hinausgehen und mit einer Referenz übereinstimmen (prüfenswert; jeweils auch eigenständig erklärbar):*
- Röm 3:30 (mittel, vgl. SLT): „ein und derselbe Gott" — εἷς = „einer". Mögliche SLT-Anlehnung; zugleich geläufige theologische Wendung (ein Gott für Juden u. Heiden). → leichte Überinterpretation.
- Röm 5:12 (mittel, vgl. EÜ): „einen einzigen Menschen" — ἑνός = „einen"; „einzigen" ist verstärkend. Mögliche EÜ-Anlehnung; auch als betonende Lesart eigenständig denkbar.
- Röm 8:6 (mittel, vgl. EÜ): „… führt zum Tod" — Grundtext ist verblose Gleichsetzung (φρόνημα … θάνατος). „führt zu" ist eine von mehreren naheliegenden verbalen Auflösungen; urtextnah wählt verbnah „ist Tod".
B. Inkonsistente Wiedergabe von Schlüsselbegriffen zwischen den Fassungen:
- φρόνημα (Röm 8): urtextnah „Sinnen", mittel „Trachten" (= EÜ/SLT). Innerhalb je einer Fassung konsistent, zwischen den Fassungen uneinheitlich.
C. Positiv hervorzuheben (Entlastung / Qualität über Referenz):
- Röm 5:8 (urtextnah): „seine eigene Liebe" gibt ἑαυτοῦ korrekt wieder — genauer als ELB, die es auslässt.
- Röm 8:13 (urtextnah): „die Taten des Leibes" (τὰς πράξεις) — korrekter als EÜ („die sündigen Taten", Zusatz).
- Röm 16:24: korrekte Auslassung gemäß Tischendorf 8.
Keine systematischen Fehler bei Tempora, Modi, Kasus oder Pronomenbezügen festgestellt; die argumentative Struktur des Römerbriefs bleibt in allen drei Fassungen erhalten. Der inhaltliche Kern ist solide — das Hauptproblem ist sprachliche Abhängigkeit, nicht Übersetzungsfehler.
8. Verse mit vorrangigem redaktionellem Prüfbedarf (Deutungsübernahme)
Kein „zwingend", aber die belastbarsten Einzelfälle — hier sollte die Formulierung bewusst vom Referenzwortlaut gelöst und die Deutung am Grundtext gemessen werden:
- Röm 3:30 (mittel, vgl. SLT) — „derselbe" über εἷς hinaus. Wortlaut von SLT lösen, „derselbe" prüfen.
- Röm 8:6 (mittel, vgl. EÜ) — „führt zum Tod" für verblose Gleichsetzung. Verbnähere Lösung erwägen.
- Röm 2:17 (mittel, vgl. EÜ) — eng EÜ-nah; Wortstellung/Interpunktion variieren.
- Röm 7:20, 5:12, 8:18, 11:1 (mittel) — EÜ-/ELB-nahe Einzelstellen; sprachlich entkoppeln.
→ Kandidatenliste zur Sichtung: Stufe-≥3-Verse mit dg5 ≥ 2 in out/flagged_for_llm.json (Triage — die meisten davon sind nach Basislinien-Abgleich unkritisch).
9. Verse, die nur sprachlich unabhängiger formuliert werden sollten
Distinktive Übernahme ohne inhaltlichen Fehler (Wortlaut lösen genügt):
- Röm 7:16 (urtextnah→LUT), 8:13 (urtextnah/mittel→EÜ), 10:9 (mittel→NGÜ), 11:8 (mittel→EÜ), 2:12 (mittel→SLT) sowie die große Mehrheit der distinktiven Urtextnah↔ELB-Treffer.
10. Verse, die unproblematisch erscheinen (Entlastung)
- Röm 6:8, 10:11, 5:8 (urtextnah): lange identische Folge, aber dg5 = 0 → Standardkonvergenz, durch den einfachen Grundtext erzwungen. Unverändert lassen.
- Röm 10:14 (mittel→SLT): längste Folge im Korpus (28 W.), aber strenger griechischer Parallelismus → Konvergenz, nicht Kopie.
- Lesefluss nahezu durchgängig (eigenständige Paraphrase).
11. Empfehlungen für den dauerhaften Prüfworkflow
1. Mechanik vor LLM beibehalten: Die Pipeline (fetch → build_corpus → analyze) ist reproduzierbar und für jedes weitere NT-Buch wiederverwendbar (nur Buch-ID + Kapitelzahl ändern).
2. Distinktheitsmaß (dg4/dg5) als Leitkennzahl verwenden — es trennt Kopie von Konvergenz weit zuverlässiger als Run-Länge oder Cosine allein.
3. Schwellen-Gegenprüfung bei der Quelle: GenerativBibel sollte bewusst gegen die jeweilige Leit-Referenz (Urtextnah↔ELB, mittel↔EÜ/SLT) distanziert werden; eine „Anti-Plagiats-Stufe" im Erstellungs-Workflow (eigene Wortwahl bei dg5 ≥ 2) wäre wirksam.
4. Kurzvers-/Formel-Filter dauerhaft anwenden (Grußlisten, Zitatformeln nicht überbewerten).
5. Tischendorf-Treue als Stärke ausbauen: Die Fälle, in denen die GenerativBibel genauer ist als die Referenz (5:8, 8:13, 16:24), sind ein Qualitätsargument — gezielt fördern.
6. LLM-Prüfung skalieren: Bei künftigen Büchern Workflow-Orchestrierung (parallele exegetische Prüfung je markiertem Vers) erwägen; in dieser Prüfung wurden Top-Fälle + repräsentative Stichproben manuell exegetisch geprüft.
12. Angemessenheit der Urteile (kritische Selbstprüfung)
Dieser Abschnitt prüft die eigenen Schlussfolgerungen auf Über- und Unterschätzung.
Wo das Verfahren zunächst zu hart urteilte (korrigiert):
- Die erste Fassung dieses Berichts stufte mittel als „erhöht/problematischste Fassung" ein. Das war methodisch inkonsistent: Die statistische Basislinie wurde anfangs nur auf Urtextnah angewandt. Korrekt angewandt liegt mittel innerhalb der Normstreuung ihres Übersetzungstyps. Die Einstufung wurde auf „gering–mittel, punktuell" korrigiert.
- Die absoluten Schwellen (8-Wort-Folge, n-Gramme) stammen aus der Plagiatsprüfung für Originaltexte und über-markieren Bibelübersetzungen grundsätzlich. Die 947 „Stufe ≥ 3"-Treffer sind Triage, nicht 947 Plagiate. Maßgeblich ist die basislinien-relative Lesart.
Wo Vorsicht vor Unterschätzung geboten ist (offen gehalten):
- Die modesten spezifischen Affinitäten (Urtextnah→ELB +0,05; mittel→EÜ +0,06 über Geschwister-Niveau) sind klein, aber real und werden nicht wegerklärt.
- Die einzelnen Deutungsübernahmen (3:30, 8:6 …) werden als prüfenswert geführt — weder zu Plagiaten erklärt noch ignoriert.
*Was das Verfahren grundsätzlich nicht kann (Ehrlichkeit über die Grenzen):*
- Es misst Textnähe und deren Überschuss über eine Basislinie — es kann Absicht/Entstehungsweg nicht beweisen. Ob eine Stelle „abgeschrieben" oder unabhängig gleich formuliert wurde, ist textstatistisch nicht letztgültig entscheidbar.
- Die Basislinie wurde aus sechs Übersetzungen geschätzt — eine kleine Stichprobe; die Schwellen sind nicht gegen einen Goldstandard kalibriert.
- Geprüft wurde ein Buch (Römer). Verallgemeinerungen auf das ganze NT sind nicht zulässig, bevor weitere Bücher geprüft sind.
Gesamturteil zur Angemessenheit: Nach Korrektur der Inkonsistenz hält der Bericht die Balance — er entlastet die typbedingte Aggregat-Nähe klar und belässt zugleich das schmale, reale Residuum als redaktionell prüfenswert. Das Hauptergebnis („kein Nachweis systematischer Plagiate; punktueller Prüfbedarf; Lesefluss unbedenklich") ist gegenüber den Schwellen-Annahmen robust, weil es auf der empirisch gemessenen Basislinie beruht, nicht auf den generischen Absolutschwellen.
Erzeugte Dateien
| Datei | Inhalt |
|---|---|
data/corpus.json | einheitliche Vers-Struktur (GB 3 Fassungen + Tischendorf + 6 Referenzen) |
data/coverage_report.json | Abdeckung, fehlende/auffällige Stellen |
out/results_verse_level.csv | 7.776 Zeilen, alle Metriken je Paar |
out/results_top_findings.csv | ähnlichste Referenz je Vers/Fassung, nach Score |
out/results_summary_by_chapter.csv | je Kapitel/Fassung |
out/results_summary_by_translation.csv | je Referenz/Fassung |
out/results_summary_by_gb_version.csv | Vergleich der 3 Fassungen |
out/flagged_for_llm.json | 947 Stufe-≥3-Verse + Stichproben (mit Grundtext + allen Referenztexten) |
out/results_llm_review.csv | exegetische LLM-Bewertung der geprüften Stellen (Aufgabe 6) |
out/baseline_matrix.json | Ähnlichkeitsmatrix (Referenzen untereinander + GB-Fassungen) — statistische Basislinie |
Reproduktion: node scripts/fetch_bibelthek.js → build_corpus.js → analyze.js → make_worklist.js → baseline.js → validity_check.js.
Dieser Prüfbericht wurde automatisiert erstellt (mechanische Vollanalyse + exegetische Stichprobenprüfung gegen Tischendorf 8) und dient der Transparenz über Methode und Grenzen der Augsburger GenerativBibel.