Augsburger GenerativBibel Neues Testament · Urtextnah · mittel · Lesefluss

1 · Urtextnah 2 · mittel 3 · Lesefluss
Kapitel 1 / 16

Johannes 19

Augsburger GenerativBibel Lesefluss

1Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn auspeitschen.

2Die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie ihm auf den Kopf. Dann hängten sie ihm einen purpurroten Umhang um.

3Sie kamen einer nach dem anderen zu ihm und höhnten: „Heil dir, König der Juden!“ Und sie schlugen ihm ins Gesicht.

4Pilatus ging noch einmal nach draußen und sagte zu ihnen: „Passt auf, ich bringe ihn zu euch heraus. Ihr sollt sehen: Ich finde keine Schuld an ihm.“

5Da kam Jesus heraus. Er trug die Dornenkrone und den purpurroten Umhang. Pilatus sagte: „Schaut ihn euch an, diesen Menschen!“

6Als die Hohenpriester und die Wachleute ihn sahen, brüllten sie: „Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz!“ Pilatus sagte zu ihnen: „Dann nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn. Ich finde keine Schuld an ihm.“

7Die Juden antworteten: „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben. Denn er hat behauptet, er sei Gottes Sohn.“

8Als Pilatus das hörte, bekam er noch mehr Angst.

9Er ging wieder in seinen Amtssitz hinein und fragte Jesus: „Woher bist du eigentlich?“ Aber Jesus gab ihm keine Antwort.

10Da sagte Pilatus zu ihm: „Mit mir redest du nicht? Weißt du nicht, dass ich die Macht habe, dich freizulassen, und auch die Macht, dich kreuzigen zu lassen?“

11Jesus antwortete: „Du hättest überhaupt keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von Gott gegeben wäre. Deshalb trägt der größere Schuld, der mich dir ausgeliefert hat.“

12Von da an versuchte Pilatus, ihn freizulassen. Aber die Juden schrien: „Wenn du den freilässt, bist du kein Freund des Kaisers! Wer sich selbst zum König macht, stellt sich gegen den Kaiser.“

13Als Pilatus das hörte, führte er Jesus hinaus. Dann setzte er sich auf den Richterstuhl, an einer Stelle, die man Steinpflaster nennt, auf Hebräisch Gabbata.

14Es war der Tag vor dem Passafest, ungefähr zwölf Uhr mittags. Pilatus sagte zu den Juden: „Da, euer König!“

15Da schrien sie: „Weg mit ihm! Weg mit ihm! Ans Kreuz mit ihm!“ Pilatus sagte zu ihnen: „Euren König soll ich kreuzigen?“ Die Hohenpriester antworteten: „Wir haben keinen König außer dem Kaiser.“

16Da übergab Pilatus ihnen Jesus, damit er gekreuzigt würde. Sie nahmen Jesus.

17Er trug sein Kreuz selbst und ging hinaus zu der Stelle, die Schädelstätte heißt, auf Hebräisch Golgota.

18Dort kreuzigten sie ihn. Und mit ihm noch zwei andere, einen rechts und einen links, Jesus aber in der Mitte.

19Pilatus ließ auch ein Schild schreiben und es am Kreuz anbringen. Darauf stand: „Jesus von Nazaret, der König der Juden.“

20Viele Juden lasen dieses Schild, denn die Stelle, wo Jesus gekreuzigt wurde, lag nahe bei der Stadt. Und es war auf Hebräisch, Lateinisch und Griechisch geschrieben.

21Da sagten die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: „Schreib nicht: ‚Der König der Juden‘, sondern: ‚Er hat behauptet: Ich bin der König der Juden.‘“

22Pilatus antwortete: „Was ich geschrieben habe, das bleibt so stehen.“

23Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und teilten sie in vier Teile auf, für jeden Soldaten einen. Dazu kam noch das Untergewand. Das war aber nicht genäht, sondern von oben bis unten aus einem Stück gewebt.

24Da sagten sie zueinander: „Das wollen wir nicht zerschneiden. Wir verlosen es lieber.“ So geschah, was in der Schrift steht: „Sie teilten meine Kleider unter sich auf und warfen das Los um mein Gewand.“ Genau das taten die Soldaten.

25Beim Kreuz von Jesus standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, dazu Maria, die Frau des Klopas, und Maria aus Magdala.

26Als Jesus seine Mutter sah und daneben den Jünger, den er besonders liebte, sagte er zu seiner Mutter: „Frau, sieh: Das ist dein Sohn!“

27Dann sagte er zu dem Jünger: „Sie ist jetzt deine Mutter.“ Von dem Moment an nahm der Jünger sie bei sich auf.

28Danach wusste Jesus, dass jetzt alles vollbracht war. Und damit die Schrift sich erfüllte, sagte er: „Ich habe Durst.“

29Es stand dort ein Gefäß voll mit saurem Wein. Sie nahmen einen Schwamm voll davon, steckten ihn auf einen Ysopstängel und hielten ihn an seinen Mund.

30Als Jesus von dem sauren Wein getrunken hatte, sagte er: „Es ist vollbracht.“ Dann ließ er den Kopf sinken und starb.

31Es war der Tag vor dem Sabbat, und an diesem Sabbat war ein hoher Festtag. Damit die Toten am Sabbat nicht am Kreuz hängen blieben, baten die Juden Pilatus, man solle den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und sie dann abnehmen.

32Da kamen die Soldaten und zerschlugen dem einen die Beine und dann dem anderen, der mit Jesus gekreuzigt worden war.

33Als sie aber zu Jesus kamen, sahen sie, dass er schon tot war. Deshalb zerschlugen sie ihm die Beine nicht.

34Stattdessen stieß einer der Soldaten ihm eine Lanze in die Seite. Sofort kam Blut und Wasser heraus.

35Einer, der es selbst gesehen hat, bezeugt das. Sein Zeugnis ist wahr, und er weiß: Es ist die Wahrheit. Er sagt es, damit auch ihr glaubt.

36Das geschah, damit sich erfüllte, was in der Schrift steht: „Kein einziger Knochen von ihm wird zerbrochen.“

37Und an einer anderen Stelle steht: „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben.“

38Danach ging Josef aus Arimathäa zu Pilatus. Er war ein Jünger von Jesus, hielt es aber geheim, weil er Angst vor den Juden hatte. Er bat darum, den toten Jesus abnehmen zu dürfen. Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam ab.

39Auch Nikodemus kam, der Jesus zuerst nachts aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe mit, etwa hundert Pfund.

40Sie nahmen den toten Jesus und wickelten ihn zusammen mit den Gewürzen in Leinentücher, so wie es bei den Juden Brauch ist, einen Toten zu bestatten.

41An der Stelle, wo Jesus gekreuzigt worden war, lag ein Garten. Und in dem Garten gab es ein neues Grab, in dem noch nie jemand gelegen hatte.

42Weil es der Tag vor dem Sabbat war und das Grab ganz in der Nähe lag, legten sie Jesus dort hinein.