Augsburger GenerativBibel Neues Testament · Urtextnah · mittel · Lesefluss

1 · Urtextnah 2 · mittel 3 · Lesefluss
Kapitel 1 / 16

Römer 11

Augsburger GenerativBibel Lesefluss

1Da frage ich: Hat Gott sein Volk etwa fallen lassen? Niemals! Ich selbst bin ja auch ein Israelit, ein Nachkomme Abrahams, aus dem Stamm Benjamin.

2Nein, Gott hat sein Volk nicht fallen lassen. Er hat es ja von Anfang an gekannt. Erinnert ihr euch nicht, was in der Schrift über Elija steht? Da beschwert er sich bei Gott über Israel:

3Herr, sie haben deine Propheten umgebracht und deine Altäre eingerissen. Nur ich bin übrig geblieben, und jetzt wollen sie auch mich töten.

4Aber was antwortet Gott ihm? Ich habe mir noch siebentausend Männer aufbewahrt, die ihre Knie nicht vor dem Götzen Baal gebeugt haben.

5Genauso ist es auch heute: Es gibt einen Rest, den Gott aus reiner Gnade ausgewählt hat.

6Und wenn es aus Gnade geschieht, dann hat es nichts mit eigenen Leistungen zu tun. Sonst wäre Gnade ja keine Gnade mehr.

7Was heißt das also? Wonach Israel sich gesehnt hat, das hat es nicht bekommen. Nur die Erwählten haben es erreicht. Alle anderen wurden stur und verschlossen.

8So steht es schon in der Schrift: Gott hat sie in eine Art Betäubung versetzt. Augen, die nicht sehen, und Ohren, die nicht hören, bis zum heutigen Tag.

9Und David sagt: Ihr eigener gedeckter Tisch soll ihnen zur Falle werden, zum Fallstrick, zum Verhängnis und zur gerechten Strafe.

10Ihre Augen sollen dunkel werden, damit sie nichts mehr sehen, und für immer sollen sie unter der Last gebeugt gehen.

11Da frage ich: Sind sie etwa gestolpert, damit sie für immer am Boden bleiben? Niemals! Im Gegenteil: Weil sie versagt haben, kam die Rettung zu den anderen Völkern, um Israel eifersüchtig zu machen.

12Wenn schon ihr Versagen für die ganze Welt zum Gewinn wurde und ihr Scheitern für die anderen Völker zum Reichtum, wie viel mehr wird es bedeuten, wenn sie einmal vollzählig dabei sind.

13Euch aber, die ihr aus den anderen Völkern kommt, sage ich: Gerade weil ich als Apostel zu den Völkern gesandt bin, halte ich diese Aufgabe hoch.

14Denn ich hoffe, dass ich so mein eigenes Volk eifersüchtig mache und wenigstens einige von ihnen rette.

15Denn wenn schon ihre Ablehnung dazu führte, dass die Welt mit Gott versöhnt wurde, was wird es erst bedeuten, wenn Gott sie wieder annimmt? Das ist wie neues Leben für Tote.

16Wenn das erste Stück vom Teig Gott gehört, dann gehört ihm der ganze Teig. Und wenn die Wurzel heilig ist, dann sind es auch die Zweige.

17Stell dir vor: Einige Zweige wurden herausgebrochen, und du, ein Zweig vom wilden Ölbaum, wurdest an ihrer Stelle eingesetzt. Jetzt bekommst auch du Kraft und Saft aus der Wurzel des edlen Ölbaums.

18Bilde dir deshalb nichts auf die anderen Zweige ein. Und wenn du es doch tust, vergiss nicht: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.

19Jetzt sagst du vielleicht: Die Zweige wurden doch herausgebrochen, damit gerade ich eingesetzt werde.

20Schon richtig. Sie wurden herausgebrochen, weil sie nicht glaubten, und du hast deinen Platz, weil du glaubst. Doch sei deshalb nicht eingebildet, sondern bleib demütig.

21Denn wenn Gott schon die ursprünglichen Zweige nicht verschont hat, dann verschont er auch dich nicht.

22Schau dir an, wie gütig und wie streng Gott zugleich ist: streng zu denen, die gefallen sind, aber gütig zu dir, solange du in seiner Güte bleibst. Sonst wirst auch du abgeschnitten.

23Und auch die anderen, also Israel, werden wieder eingesetzt, wenn sie nicht im Unglauben bleiben. Denn Gott hat die Macht, sie wieder einzufügen.

24Du stammst von einem wilden Ölbaum und wurdest herausgeschnitten und entgegen aller Natur in einen edlen Ölbaum eingesetzt. Wie viel leichter wird Gott dann erst die ursprünglichen Zweige wieder in ihren eigenen Baum einfügen.

25Liebe Geschwister, ich möchte, dass ihr ein Geheimnis versteht, damit ihr euch nicht für besonders schlau haltet: Ein Teil Israels ist verstockt, aber nur so lange, bis die volle Zahl der Menschen aus den anderen Völkern dazugekommen ist.

26Und dann wird ganz Israel gerettet. So steht es schon in der Schrift: Aus Zion wird der Retter kommen, und er wird alle Gottlosigkeit von Jakobs Nachkommen wegnehmen.

27Und das ist der Bund, den ich mit ihnen schließe: Ich werde ihre Schuld von ihnen nehmen.

28Wenn man auf die gute Nachricht schaut, sind sie Feinde, und das kommt euch zugute. Doch wenn man auf Gottes Wahl schaut, sind sie von ihm geliebt, weil er ihren Vorfahren treu bleibt.

29Denn was Gott einmal geschenkt hat und wozu er einmal beruft, das nimmt er nie wieder zurück.

30Früher habt ihr nicht auf Gott gehört. Jetzt aber hat Gott Erbarmen mit euch gehabt, gerade weil sie nicht gehorcht haben.

31Genauso hören sie jetzt nicht auf Gott. Aber das soll dazu führen, dass auch sie das Erbarmen erfahren, das ihr schon erlebt habt.

32Denn Gott hat alle Menschen gemeinsam im Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich über alle erbarmen kann.

33Wie unendlich reich ist Gott, wie groß seine Weisheit und sein Wissen! Niemand kann seine Entscheidungen durchschauen, und seine Wege kann keiner nachverfolgen.

34Denn wer weiß schon, was Gott denkt? Und wer hat ihm jemals einen Rat gegeben?

35Oder wer hat ihm jemals zuerst etwas gegeben, sodass Gott es zurückzahlen müsste?

36Denn alles kommt von ihm, alles geschieht durch ihn, und alles führt zu ihm hin. Ihm gehört für immer alle Ehre. Amen.