Augsburger GenerativBibel Neues Testament · Urtextnah · mittel · Lesefluss

1 · Urtextnah 2 · mittel 3 · Lesefluss
Kapitel 1 / 16

Psalmen 78

Augsburger GenerativBibel Lesefluss

1Ein Lehrgedicht von Asaf. Hör gut zu, mein Volk, auf das, was ich dich lehre. Spitz die Ohren für meine Worte.

2Ich beginne mit einem Gleichnis, ich erzähle Geheimnisvolles aus längst vergangenen Tagen.

3Was wir gehört und erfahren haben, was unsere Vorfahren uns weitergaben.

4Das wollen wir ihren Kindern nicht vorenthalten. Auch der nächsten Generation erzählen wir vom ruhmreichen Wirken des HERRN, von seiner Macht und den Wundern, die er getan hat.

5Er stellte eine Mahnung in Jakob auf und gab Israel eine Weisung. Unseren Vorfahren befahl er, sie ihren Kindern beizubringen,

6damit auch die kommende Generation davon weiss, die Kinder, die erst noch geboren werden. Auch sie sollen es ihren eigenen Kindern weitererzählen.

7So setzen sie ihr Vertrauen auf Gott, vergessen nicht, was er getan hat, und halten sich an seine Gebote.

8Sie sollen nicht werden wie ihre Vorfahren, eine sture und aufsässige Generation, deren Herz nicht beständig war und deren Treue zu Gott nicht hielt.

9Die Männer von Efraim, bewaffnet und mit gespanntem Bogen, machten am Tag der Schlacht kehrt.

10Sie hielten sich nicht an Gottes Bund und weigerten sich, nach seiner Weisung zu leben.

11Sie vergassen, was er getan hatte, und die Wunder, die er sie hatte sehen lassen.

12Vor den Augen ihrer Vorfahren vollbrachte er Wunder, in Ägypten, in der Gegend von Zoan.

13Er teilte das Meer und liess sie hindurchziehen, das Wasser stellte er auf wie eine feste Mauer.

14Tagsüber führte er sie mit einer Wolke und die ganze Nacht hindurch mit dem Schein eines Feuers.

15In der Wüste spaltete er Felsen und gab ihnen zu trinken, als käme das Wasser aus tiefen Quellen.

16Aus dem Felsen liess er Bäche hervorbrechen, Wasser strömte herab wie Flüsse.

17Trotzdem sündigten sie weiter gegen ihn und lehnten sich in der Wüste gegen den Höchsten auf.

18In ihrem Herzen stellten sie Gott auf die Probe und verlangten Essen, wonach ihnen gelüstete.

19Sie lästerten über Gott und fragten: Kann Gott etwa in der Wüste einen Tisch decken?

20Sicher, er hat den Felsen geschlagen, und Wasser sprudelte hervor, Bäche flossen über. Aber kann er auch Brot geben oder seinem Volk Fleisch verschaffen?

21Als der HERR das hörte, wurde er zornig. Ein Feuer entbrannte gegen Jakob, und sein Zorn flammte auf gegen Israel.

22Denn sie glaubten Gott nicht und vertrauten nicht darauf, dass er sie retten würde.

23Da befahl er den Wolken oben und öffnete die Tore des Himmels.

24Er liess Manna auf sie herabregnen, damit sie zu essen hatten, und gab ihnen Getreide vom Himmel.

25Das Brot der Starken ass nun jeder. Gott schickte ihnen Nahrung, bis sie satt waren.

26Am Himmel liess er den Ostwind losbrechen und brachte durch seine Kraft den Südwind herbei.

27Er liess Fleisch auf sie herabregnen, so reichlich wie Staub, und Vögel so zahlreich wie Sand am Meer.

28Mitten in ihr Lager liess er sie fallen, rund um ihre Zelte.

29Sie assen und wurden vollkommen satt, denn er gab ihnen, wonach sie verlangt hatten.

30Doch noch war ihre Gier nicht gestillt, noch hatten sie das Essen im Mund,

31da stieg Gottes Zorn gegen sie auf. Er tötete ihre kräftigsten Männer und streckte die jungen Männer Israels nieder.

32Trotz alledem sündigten sie weiter und glaubten seinen Wundern nicht.

33Da liess er ihre Tage wie ein Nichts verstreichen und ihre Jahre in jähem Schrecken enden.

34Immer wenn er sie tötete, fragten sie wieder nach ihm, kehrten um und suchten Gott voll Eifer.

35Dann erinnerten sie sich, dass Gott ihr Fels war, dass Gott, der Höchste, sie befreit hatte.

36Aber sie heuchelten ihm nur etwas vor und belogen ihn mit ihren Worten.

37Ihr Herz hielt nicht treu zu ihm, und sie blieben seinem Bund nicht treu.

38Er aber war voll Erbarmen, er vergab ihre Schuld und vernichtete sie nicht. Immer wieder hielt er seinen Zorn zurück und liess seine ganze Wut nicht aufkommen.

39Er dachte daran, dass sie nur Menschen sind, ein Hauch, der vergeht und nicht wiederkehrt.

40Wie oft trotzten sie ihm in der Wüste und bereiteten ihm Kummer in der Einöde!

41Immer wieder forderten sie Gott heraus und verletzten den Heiligen Israels.

42Sie dachten nicht mehr an seine Macht, an den Tag, als er sie vom Feind befreite,

43als er in Ägypten seine Zeichen tat und seine Wunder in der Gegend von Zoan.

44Er verwandelte ihre Flüsse in Blut, sodass sie aus ihren Bächen nicht mehr trinken konnten.

45Er schickte ihnen Schwärme von Ungeziefer, das sie plagte, und Frösche, die alles verwüsteten.

46Ihre Ernte gab er den Raupen preis und ihre Feldarbeit den Heuschrecken.

47Ihre Weinstöcke vernichtete er mit Hagel und ihre Feigenbäume mit Frost.

48Ihr Vieh lieferte er dem Hagel aus und ihre Herden den Blitzen.

49Er liess seinen glühenden Zorn auf sie los, Grimm und Wut und Not, eine ganze Schar von Unheilsboten.

50Er machte seinem Zorn freie Bahn. Er verschonte sie nicht vor dem Tod, sondern lieferte ihr Leben der Pest aus.

51Jeden erstgeborenen Sohn in Ägypten erschlug er, die erste Frucht ihrer Kraft in den Zelten Hams.

52Dann führte er sein Volk hinaus wie Schafe und leitete sie wie eine Herde durch die Wüste.

53Sicher führte er sie, sodass sie sich nicht fürchten mussten; ihre Feinde aber verschlang das Meer.

54Er brachte sie in sein heiliges Land, zu dem Berg, den seine rechte Hand erworben hatte.

55Er vertrieb ganze Völker vor ihnen, teilte das Land als Erbe unter ihnen auf und liess die Stämme Israels in deren Zelten wohnen.

56Aber sie forderten Gott, den Höchsten, heraus und lehnten sich gegen ihn auf; an seine Mahnungen hielten sie sich nicht.

57Sie fielen ab und wurden treulos wie ihre Vorfahren, unzuverlässig wie ein Bogen, der den Schützen verfehlt.

58Mit ihren Opferhöhen erzürnten sie ihn und reizten ihn mit ihren Götzenbildern zur Eifersucht.

59Gott hörte das und wurde zornig; voller Abscheu verwarf er Israel.

60Er gab seine Wohnung in Silo auf, das Zelt, in dem er unter den Menschen gewohnt hatte.

61Das Zeichen seiner Macht liess er in Gefangenschaft geraten und seine Pracht in die Hand des Feindes fallen.

62Sein Volk lieferte er dem Schwert aus, voller Zorn über sein eigenes Erbe.

63Seine jungen Männer verschlang das Feuer, und für seine Mädchen sang man kein Hochzeitslied.

64Seine Priester fielen durch das Schwert, und ihre Witwen konnten nicht einmal mehr um sie klagen.

65Da erwachte der Herr wie aus dem Schlaf, wie ein Held, der vom Wein laut aufjauchzt.

66Er schlug seine Feinde in die Flucht und brachte ewige Schande über sie.

67Doch das Zelt Josefs verwarf er, und den Stamm Efraim erwählte er nicht.

68Stattdessen erwählte er den Stamm Juda, den Berg Zion, den er liebte.

69Er baute sein Heiligtum hoch wie den Himmel, fest wie die Erde, die er für immer gegründet hat.

70Er erwählte seinen Diener David und holte ihn weg von den Schafhürden.

71Von den Mutterschafen weg holte er ihn, damit er Jakob weide, sein Volk, und Israel, sein Erbe.

72Und David hütete sie mit aufrichtigem Herzen und führte sie mit kundiger Hand.