Augsburger GenerativBibel Neues Testament · Urtextnah · mittel · Lesefluss

1 · Urtextnah 2 · mittel 3 · Lesefluss
Kapitel 1 / 16

Psalmen 22

Augsburger GenerativBibel Lesefluss

1Für den Chorleiter, nach der Weise „Hirschkuh der Morgenröte“. Ein Psalm von David.

2Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich im Stich gelassen? Meine Rettung bleibt fern, so laut ich auch schreie.

3Mein Gott, ich rufe am Tag, doch du antwortest nicht, und auch nachts komme ich nicht zur Ruhe.

4Und doch bist du heilig, du thronst über dem Lob deines Volkes Israel.

5Auf dich haben unsere Vorfahren vertraut; sie vertrauten, und du hast sie befreit.

6Zu dir riefen sie und wurden gerettet; sie vertrauten dir und wurden nicht enttäuscht.

7Ich aber bin nur ein Wurm und kein Mensch mehr, von allen verhöhnt und vom Volk verachtet.

8Alle, die mich sehen, machen sich über mich lustig; sie verziehen den Mund und schütteln den Kopf:

9‚Überlass es doch dem HERRN! Der soll ihn retten, der soll ihn befreien, wenn er ihn schon so gernhat.‘

10Du hast mich doch aus dem Leib meiner Mutter gezogen und mir Geborgenheit gegeben an ihrer Brust.

11Von Geburt an bin ich auf dich angewiesen; seit dem Schoß meiner Mutter bist du mein Gott.

12Bleib mir nicht fern, denn die Not packt mich, und ich habe niemanden, der mir hilft.

13Viele Stiere umringen mich, die kräftigen Bullen von Baschan kreisen mich ein.

14Sie reißen ihr Maul gegen mich auf wie ein Löwe, der brüllt und seine Beute zerreißt.

15Ich bin ausgegossen wie Wasser, alle meine Knochen fallen auseinander; mein Herz ist wie Wachs, es zerschmilzt in meinem Inneren.

16Meine Kraft ist verdorrt wie eine Tonscherbe, die Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in den Staub des Todes.

17Hunde haben mich umzingelt, eine Bande von Bösewichten kreist mich ein; wie ein Löwe bedrohen sie meine Hände und meine Füße.

18Ich kann all meine Knochen zählen, während sie mich nur anstarren und sich an mir weiden.

19Sie teilen meine Kleider unter sich auf und verlosen mein Gewand.

20Du aber, HERR, bleib nicht fern! Du bist meine Stärke – komm schnell, hilf mir!

21Rette mein Leben vor dem Schwert, entreiß mein kostbares Leben der Gewalt des Hundes!

22Rette mich aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern der Wildstiere. Du hast mich erhört!

23Ich will meinen Geschwistern von dir erzählen, mitten in der Gemeinde will ich dich loben:

24Die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn! Ihr Nachkommen Jakobs alle, gebt ihm die Ehre! Habt Ehrfurcht vor ihm, ihr Nachkommen Israels alle!

25Denn er hat das Leid des Gebeugten nicht verachtet und nicht verabscheut, er hat sich nicht vor ihm verborgen, sondern ihn gehört, als er um Hilfe rief.

26Von dir kommt mein Loblied in der großen Gemeinde; was ich gelobt habe, löse ich ein vor allen, die ihn ehren.

27Die Armen sollen essen und satt werden; alle, die nach dem HERRN fragen, sollen ihn loben. Euer Herz soll leben für immer!

28Die ganze Welt bis an ihre Enden wird sich besinnen und zum HERRN umkehren, und alle Völker und Stämme werden sich vor dir niederwerfen.

29Denn der HERR ist König, er allein regiert über alle Völker.

30Alle Reichen und Satten der Erde werden essen und sich vor ihm niederwerfen; vor ihm beugen sich alle, die in den Staub hinabsinken und ihr Leben nicht bewahren konnten.

31Auch die kommenden Generationen werden ihm dienen; vom Herrn wird man dem nächsten Geschlecht erzählen.

32Sie werden kommen und einem Volk, das erst noch geboren wird, von seiner Gerechtigkeit berichten: Er hat es vollbracht!